Frankfurt – Selten hat eine Studie die Bankenszene so in Aufregung versetzt, wie das Papier der Unternehmensberatung McKinsey zum Thema Finanzplatz Frankfurt. Auch auf dem Neujahrsempfang der Börse in Frankfurt war die Kernaussage der Studie das Thema. "Die Frankfurter Community löst sich auf", hatte die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" das am Wochenende lancierte Papier zusammengefasst.
Hatten aber zuletzt die Frankfurter Finanz-Granden bei einer Rede von Josef Ackermann im Frankfurter Römer noch zustimmend genickt, als der Chef der Deutschen Bank
mit Kritik am deutschen Wirtschafts- und Sozialsystem nicht gespart hatte, regt sich jetzt Widerstand und Kämpfergeist.
"Wir haben hier im Prinzip einen intakten Finanzmarkt, der viele Stärken hat, die London nicht hat", sagte Lutz Raettig, Chef von Morgan Stanley Deutschland, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am Rande des Börsenempfangs. Er halte die Aussagen von McKinsey für übertrieben.
Auch die beiden Deutschland-Statthalter von Goldman Sachs, Wayne Moore und Alexander Dibelius, bekennen sich weiterhin zum Standort Deutschland. "Natürlich bleibt noch viel zu tun, aber bei der Entflechtung der Deutschland AG sind deutliche Fortschritte zu erkennen", sagte Dibelius in der Dienstagausgabe des "Handelsblatts". Als Beispiel nannte Dibelius den Abbau der Beteiligungen durch die Deutsche Bank und die Allianz
. Sein Co-Chef Moore bestätigte das positives Urteil. "Auch in Zukunft haben wir großes Interesse an Engagements in Deutschland", sagte der Amerikaner.
"Persönliches Memo" an Fahrholz und Seifert
Nachdem der "Platow-Brief" am Dienstagabend gemeldet hatte, die McKinsey-Studie sei eine Auftragsarbeit für die Dresdner Bank und die Deutsche Börse gewesen, brach die McKinsey-Zentrale in Düsseldorf ihr Schweigen.
Das fünfseitige Papier sei keine Studie des Hauses. Es handele sich lediglich um ein "persönliches Memo" der beiden Bank-Experten Frank Mattern und Clara Streit an Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz und den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Börse und Ex-McKinsey-Mann Werner Seifert, sagte eine Unternehmenssprecherin gegenüber manager-magazin.de am Mittwoch.
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