Donnerstag, 9. Februar 2012, 21:31 Uhr

manager magazin



27.10.2002
 

Commerzbank

"Unter der Schmerzgrenze"

Weil der Aktienkurs unter den Buchwert gefallen ist, sieht Klaus-Peter Müller die Aktien der Bank als "hoffnungslos unterbewertet" an. Der Vorstandschef deutet in einem Interview zudem an, dass ein Verkauf des Konzerns künftig nicht ausgeschlossen ist.

Frankfurt/Main - Der Vorstandschef der Commerzbank Chart zeigen, Klaus-Peter Müller schließt rote Zahlen für 2002 nicht aus. "Ich weiß nicht, ob wir im Gesamtjahr noch Gewinne machen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Klaus-Peter Müller /426 (thumb)
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DDP

Klaus-Peter Müller /426 (thumb)

Als Grund nannte Müller die hohen Kursschwankungen an den Finanzmärkten. Allerdings müsse die viertgrößte deutsche Privatbank "den Vergleich mit anderen Banken nicht scheuen", betonte Müller. "Alle Banken leiden unter einer Ertrags- und Strukturkrise."

Als Bankenkrise sieht Müller die Situation aber nicht an. Erst eine "anhaltende Ertragskrise" könne nach mehr als drei Jahren zu solch einer fundamentalen Krise führen. Das Ausmaß der faulen Kredite, das zur derzeitigen Krise der Finanzinstute in Japan führte ("Hunderte von Milliarden an faulen Krediten"), sei in Deutschland längst nicht erreicht.

Als Ursachen für die Ertragskrise der deutschen Banken nannte Müller die "kaputte Börse, …eine Wirtschaftsflaute dramatischen Ausmaßes" sowie "fest betonierte Strukturen in Deutschland". Ausländische Investoren würden Deutschland daher als Problemland und die Commerzbank nicht als attraktiven Kauf ansehen.

Schlecht vorbereitet auf den abrupten Börsentrend

Zu Jahresbeginn hatte die Bank für das laufende Jahr noch einen operativen Gewinn von 700 bis 800 Millionen Euro in Aussicht gestellt, dieses Ziel aber bereits im Sommer in Frage gestellt und später ganz aufgegeben.

Müller räumte ein, dass die Bankvorstände Fehler gemacht hätten: "Wir haben uns bis in die erste Hälfte des Jahres 2001 nicht darauf eingestellt, dass die Börse einmal so abrupt einbrechen könnte. Wir waren auf ein weiter wachsendes Geschäft eingestellt."

Im Geschäft mit privaten Kunden schreibe die Commerzbank jedoch nach wie vor schwarze Zahlen. Allerdings habe auch die Commerzbank zu spät damit begonnen, das Filialnetz auszudünnen.

Der Commerzbank-Chef zeigte in dem Interview Interesse am Kauf von Sparkassen. "Ich fände das toll", sagte Müller, "aber das ist im Moment noch Utopie." Wenn der Sparkassenverband sage, private Banken dürften auf keinen Fall Sparkassen kaufen, so sei dies "Ausfluss eines verkrusteten Denkens".

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