Von Severin Weiland
Umweltminister Jürgen Trittin hielt der Lufthansa am Mittwoch einen zu laxen Umgang mit den privaten Daten ihrer Kunden vor. Zugleich versicherte er, für fünf private Flüge nur privat erflogene Bonusmeilen eingesetzt zu haben. Schon vor seiner Ernennung zum Minister habe er ein hohes Meilenkonto gehabt. Mit dienstlichen Meilen habe er zudem für dienstliche Zwecke einen Koffer bei der Lufthansa erworben.
Trittin stellte in Frage, ob die Lufthansa ihre Kundendaten ausreichend sichert. "Es scheint so zu sein, dass zumindest die Daten, die bei der Firma gespeichert sind, in einer Weise verwahrt werden, wo ich mal raten würde, nachzugucken, ob es denn mit dem Datenschutz alles so seine Richtigkeit hat."
Trittin sagte, er habe am Dienstag mit Weber telefoniert. Dabei habe er mit ihm darüber gesprochen, wie es kommen konnte, dass Journalisten des Axel Springer Verlags ihn zu einem nicht von ihm veröffentlichten Abflugtermin erwartet hätten. Unterdessen bat Thierse den Lufthansa-Chef sich dafür einzusetzen, den Abgeordneten neben der Senatorkarte eine weitere für private Reisezwecke zur Verfügung zu stellen. Darüber hat laut Thierse seine Verwaltung bereits Anfang Juli mit dem Konzern gesprochen.
Absage an Thierse-Ultimatum
Zugleich setzte der Bundestagspräsident im Auftrag der Fraktionen Lufthansa-Chef Weber ein Ultimatum: Bis Donnerstag, 14 Uhr, soll Lufthansa eine Liste der Abgeordneten übermitteln, die "Miles & More"-Bonusflüge wahrgenommen haben, damit er diese an die Fraktionen weitergeben könne.
Thierse weiter: "Nur so kann gewährleistet werden, dass sich einzelne Abgeordnete gegen öffentliche Vorwürfe wehren können, sie hätten Bonuspunkte aus dienstlich veranlassten Flügen zu privaten Zwecken verwendet."
Darauf aber will sich die Lufthansa nicht einlassen. "Auf der einen Seite wirft uns ein Bundesminister Laxheit im Umgang mit dem Datenschutz vor, auf der anderen Seite sollen wir ihn nach dem Willen des Bundestagspräsidenten brechen - das geht nicht", so der Lufthansa-Sprecher gegenüber SPIEGEL ONLINE.
Der Konzern schlägt nun Thierse vor, die Bundestagsabgeordneten aufzufordern, ihrerseits bei der Lufthansa um eine Dokumentation ihres aktuellen Bonuskontos zu bitten. "Wir wären dazu in dieser Ausnahmesituation unverzüglich bereit, um das Thema endlich zu beenden", so der Sprecher. Der Bundestagspräsident könnte dann anschließend die Abgeordneten bitten, ihre Konten offen zu legen.
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