mm.de: Die Entwicklung der Marke Andechs ist eine Erfolgsgeschichte. Mit welchen Ideen schafft es das Unternehmen, wirtschaftlich gesund und gleichzeitig wohltätig zu sein?
Bilgri: Kern unserer Unternehmensphilosophie ist ein authentizitätsorientiertes Marketing. Wir wollen als Mönche des Klosters Andechs authentisch, das heißt wir selbst blieben und zugleich unseren Gästen mit traditionell benediktinischer Gastfreundschaft begegnen. In diesem Konzept versuchen wir Traditions- und Kundenorientierung ständig miteinander im Gleichgewicht zu halten. Traditionsorientierung heißt für uns etwa Schließung des Bräustüberls nach dem Nachtgebet der Mönche. Im Sommer abends um viertel vor neun, sonst um acht Uhr abends. Kundenorientierung heißt für uns: Unseren Besuchern vom Andechser Klosterbier bis zu unseren Lizenzprodukten, Seminaren, Konzerten, Festivals und dem Service Premiumqualität zu bieten.
mm.de: Ihr Bier wird überwiegend in Deutschland verkauft - wann expandiert Andechser?
Bilgri: Der Exportanteil am Gesamtausstoß der Andechser Klosterbiere beträgt derzeit mehr als vier Prozent. Mittelfristig ist ein weiteres moderates Wachstum im Exportgeschäft durchaus möglich.
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Bilgri: Als ich vor nun über 25 Jahren in die Abtei Sankt Bonifaz und Andechs eintrat, habe ich nicht geahnt, wie schnell und intensiv ich mit der Welt in Berührung kommen würde, von der ich gedacht hatte, dass ich Sie verlassen werde. Meine Erkenntnis heute heißt daher: Wer ins Kloster geht, trifft die Welt mit all ihren positiven und negativen Seiten, aber er lernt sie mit anderen Augen zu sehen. Wer flüchten will, sollte nicht ins Kloster gehen. Ich habe mich in dieser Zeit als Mönch selbst kennen gelernt. Das war nicht immer angenehm. Wer in ein Kloster eintritt und, wie Benedikt sagt, in die "Schule des Herrendienstes" geht, der ist täglich herausgefordert zum rechten Umgang mit sich selbst, den Mitbrüdern und Mitarbeitern. Stete Lernbereitschaft ist unerlässlich wie die Fähigkeit sich infragestellen zu lassen.
mm.de: Mit Zahlen müssen Sie sich aber auch beschäftigen ...
Bilgri: Als Cellerar und damit als "Finanzminister der Abtei" versuche ich - übrigens wie viele meiner Mitbrüder - den Tagesablauf eines Mönches mit den Tätigkeiten eines Managers zu verbinden. In der Spannung von Aktion und Kontemplation für mein Leben ein gesundes Maß zu finden, einzuüben und zu wahren, ist meine persönliche Herausforderung - mit allen Erlebnissen von Erfolg und Misserfolg.
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