Außerdem hat Homburg ein Expansionsfeld entdeckt, in dem sich private Konkurrenten bereits wohl fühlen: den städtischen Nahverkehr. "Es ist klar, dass wir in unserem klassischen Geschäft Marktanteile verlieren werden", räumt Homburg ein. "Das müssen wir unter anderem mit Neugeschäft im Stadtverkehr ausgleichen."
Mit den städtischen Verkehrsbetrieben in Hannover hat Homburg bereits einen Pakt geschlossen. Andere Ballungsräume sollen folgen. Liebend gern würde er die DB-eigene Berliner S-Bahn um die Busse, U-Bahnen und Trams der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erweitern.
Als ausgesprochen hinderlich für die Privaten erweist sich zudem das miserable Image des Bahngeschäfts: "Damit wollen Sie Geld verdienen?" Privatbahner Gasser kennt die ungläubige Frage aus vielen Gesprächen mit Bankern. "Die Staatsbahnen haben eine schwere Hypothek auf die ganze Branche gelegt", klagt Gasser. Hartnäckig halte sich der Eindruck, Bahn und Profit passten nicht zusammen.
Zu Unrecht, wie Privatbahner Raith nachweisen kann. Das Transportsystem Bahn hat - klug genutzt - gewaltige Vorzüge. "Wir fahren mit einem Lokführer 1200 Tonnen", rechnet der Manager vor, "auf der Straße bewältigt ein Mann gerade mal 27 Tonnen."
Connex-Chef Herrewyn hat das Stirnrunzeln der Großfinanz ebenfalls schon gesehen. Die Margen im Personenverkehr seien gewiss nicht üppig. "Aber es ist ein stabiles, langfristiges Geschäft." Das weiß der Connex-Eigentümer Vivendi wohl zu schätzen. Im Mischkonzern dient die Verkehrssparte als eine Art Gegengewicht zu den Turbulenzen der Medien-Tochter Universal.
Selbstvertrauen besitzen die Privaten im Überfluss. "In 10 bis 15 Jahren werden die DB-Konkurrenten im Nahverkehr einen Anteil von sicherlich 40 Prozent erreichen", prophezeit Eurobahn-Manager Dietmar Knerr (41). Im Güterverkehr, glaubt Rail4Chem-Chef Matthias Raith, "werden die Privaten die Marktführerschaft übernehmen."
Connex-Geschäftsführer Jean-Michel Herrewyn träumt von 20 Prozent Marktanteil im Personenverkehr allein für sein Unternehmen. "Ich weiß", kokettiert der Franzose, "angesichts der Kräfteverhältnisse im Moment ist das völlig verrückt."
Verrückt, in der Tat - wie jede wirklich gute Geschäftsidee.
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