Der Franzose Jean-Michel Herrewyn (41) muss sich fühlen wie ein deutscher Volksheld. Als der Chef der Frankfurter Privatbahn-Gruppe Connex kürzlich sein neuestes Angebot präsentierte, einen Zug zwischen Gera und Rostock, herrschte Auftrieb wie beim Popkonzert. Ein Dutzend Fernsehteams war angerückt, eins sogar aus Frankreich. "Dabei", staunt Herrewyn, "geben wir kaum Geld für PR aus."
Was dem Publikum imponiert, ist die Herausforderung eines Staatskolosses: der Deutschen Bahn (DB).
Connex tritt an, die Vormacht der DB zu brechen. Im Nahverkehr ist der Schienenrebell - ein Ableger des französischen Mischkonzerns Vivendi - schon eine beachtliche Größe. Jetzt kommt erstmals eine Fernstrecke hinzu. "Wir wollen wachsen", verkündet Herrewyn, "wo immer es geht."
Connex markiert einen Trend. Es geht um mehr als nur ein paar Züge ohne DB-Logo. Es geht um die Neuordnung einer ganzen Branche.
Vorbei die langen Jahrzehnte, da die Staatsbahn den Schienenverkehr allein für sich reklamieren konnte. Jetzt drängen neue Anbieter aufs Gleis. Sie bringen reichlich Schwung mit, mittelständisches Denken und immer öfter potente Geldgeber.
Der Markt ist noch jung. Erst seit 1994 dürfen Privatbahnen im großen Stil in das Netz. Bislang haben die Privaten erst knapp 8 Prozent des Schienennahverkehrs ergattert. Im Fernverkehr spielen sie noch keine Rolle, im Gütertransport beträgt ihr Anteil 5 Prozent. Doch sie holen merklich auf.
Mehr als 150 Private sind schon unterwegs. Bis zu 60, sagen Fachleute, zielen ernsthaft auf Expansion.
Eine Renaissance kündigt sich an. Das Bahngeschäft war einmal einer der profitabelsten Wirtschaftszweige. Bis es unter Staatsregie verkam. Agile Unternehmen wie Connex sind entschlossen, die Branche zurückzuerobern - für private Initiative und fürs Geldverdienen.
Es ist ein buntes Feld, das da zum Wettbewerb antritt:
© manager magazin Online 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH