Von Anne Preissner, Dietmar Student und Thomas Werres
I. Die Arroganz der Macht
Chris Gent hatte offensichtlich Wichtigeres vor am 5. Juni 2000. Wegen "Terminkollisionen" fehlte der Vodafone-Chef auf der ersten Hauptversammlung von Mannesmann nach seiner Machtübernahme - und das als Gastgeber und Aufsichtsratsvorsitzender.
Zum Haareraufen: Großflächig wirbt Vodafone für den Markenwechsel im Mobilfunk und für die Festnetzfirma Arcor. Doch die deutsche Kundschaft folgt nur zögerlich.
Mit fatalen Folgen. Zwei Jahre nach der Übernahme ist die Mannesmann-Telefonsparte in einem bedenklichen Zustand. D2, das einstige Juwel des deutschen Mobilfunks, hat seine Strahlkraft eingebüßt. Und die Festnetzgesellschaft Arcor kommt nicht voran: Börsengang oder Verkauf - die Mitarbeiter wissen heute nicht, wem sie morgen gehören.
Gent zwang die Düsseldorfer, den Markennamen Mannesmann D2 durch Vodafone zu ersetzen. Keine gute Idee. Bei den diesjährigen mm-Imageprofilen belegte D2 Vodafone weit abgeschlagen nur Rang 102. Noch vor zwei Jahren hatte das Unternehmen auf Platz 7 rangiert und den Branchensieger in der Telekommunikation gestellt. Einen vergleichbaren Ansehensverlust erlitten nur die Skandalfirmen Philipp Holzmann und Bankgesellschaft Berlin.
Hauptgrund für den Rufschaden, so vermuten Markenexperten: Vodafone wird den Geruch des Firmenschlachters nicht los.
D2-Chef Jürgen von Kuczkowski hat es geahnt: Eineinhalb Jahre lang stemmte sich der Regionalfürst gegen die Übernahme des Vodafone-Logos. Folge: eine verwirrende Zwei-Marken-Strategie. Den Slogan "D2 - live dabei" verbreiteten die Düsseldorfer noch, als die Briten in deutschen TV-Spots längst für die Marke Vodafone warben. In wenigen Wochen wird aus D2 endgültig Vodafone.
Ferngesteuert vom englischen Newbury aus, verlor D2 den alten Pioniergeist - und die Marktführerschaft gleich mit. Der Wegbereiter der mobilen Datenkommunikation in Deutschland setzt kaum noch technische Trends; mittlerweile zählt der einst so biedere Konkurrent T-Mobile rund 1,2 Millionen Kunden mehr als D2.
Besonders enttäuschend fiel das letzte Weihnachtsquartal aus. Während T-Mobile 526.000 zusätzliche Kunden in Deutschland gewann, schaffte D2 Vodafone nur 37.000.
Im Festnetzgeschäft profitiert die Deutsche Telekom ebenfalls von der Schwäche ihres Wettbewerbers. Seitdem Arcor einen britischen Großaktionär hat, geht der Netzausbau nur noch schleppend voran, stagniert der Umsatz. Die Zweitmarke Otelo wurde aufgegeben; 500 bis 1000 der knapp 5000 Arcor-Stellen werden in diesem Jahr wohl gestrichen.
Fazit: Die Mannesmann-Telefonsparte hat unter dem neuen Eigner bislang arg gelitten. In einer Branche, in der vor allem Glanz und Renommee zählen, funktioniert die harte Übernahmetour nicht.
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