Von Anne Preissner, Dietmar Student und Thomas Werres
Misslungene Metamorphose: Der Fall Mannesmann / Vodafone liefert ein abschreckendes Beispiel für die Architekten der neuen Deuschland AG
Das Ende der Mannesmann AG war längst besiegelt, da wurde immer noch gerungen um die Sparte Historie. Wohin mit 10.000 Regalmetern Akten und Dokumenten? Was tun mit 10.000 Filmen und drei Millionen Fotos, die nun zu einem untergegangenen Unternehmen gehörten?
Dem Wirtschaftsarchiv drohte das Aus. Doch dann kam Rettung, das gute Stück deutscher Industriegeschichte schlüpfte bei der Salzgitter AG unter. Das niedersächsische Stahlunternehmen hatte einen Teil von Mannesmann, die Röhrenwerke, gekauft; die Chronik wechselte mit.
Die Geschichte lebt; der Konzern ist tot. Post mortem hat Mannesmann nur noch eine Funktion: als abschreckendes Beispiel für künftige Restrukturierungsfälle zu dienen.
Und davon gibt es reichlich: Verkorkste Konglomerate wie MG Technologies oder MAN, über deren Zerlegen und Zerteilen fast börsentäglich spekuliert wird; von Anlegern verschmähte Mischkonzerne wie Babcock oder ThyssenKrupp.
Eine gewaltige Umwälzung zeichnet sich ab. Corporate Germany erfindet sich neu. Diskret nehmen Großaktionäre wie der Versicherungsriese Allianz und die Deutsche Bank Traditionsunternehmen auseinander und setzen sie neu zusammen, vorerst auf dem Papier.
Viele Fragen sind noch ungeklärt, viele Konzepte noch nicht ausgereift; in einem aber besteht Einvernehmen zwischen den Umschichtern: Diesmal soll alles anders laufen - besser als dereinst bei Mannesmann.
Die Auflösung des deutschen Vorzeigekonzerns konnten die Restrukturierer hautnah verfolgen. Da wurden Verträge nicht eingehalten, erfolgreiche Marken zu Grunde gerichtet, Wettbewerbsvorteile verspielt und Firmen so lange hin- und hergeschoben, bis sie nirgendwo mehr hineinpassten.
Der Fall Mannesmann, die misslungene Metamorphose eines Industriegiganten - zum Nachahmen nicht empfohlen.
© manager magazin online 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH