Derweil sinnieren die Strategen in der RWE-Zentrale über den nächsten, womöglich entscheidenden Coup in Deutschland: die Übernahme von Gelsenwasser höchstselbst. Eon und RWE sortieren derzeit ihre Beteiligungen an etlichen Unternehmen wie Ruhrgas oder RAG neu. Da könnte Gelsenwasser unvermittelt zum Tauschobjekt mutieren.
Die Protagonisten wiegeln offiziell ab. Doch unterhalb der Vorstandsebene, so sickert durch, habe es bereits erste Gespräche gegeben.
Eon-Chef Ulrich Hartmann (63) weiß: Ohne eine größere internationale Akquisition wird es schwer, eine schlagkräftige Wassergruppe zu formen. Das französische Unternehmen Saur (weltweit 26 Millionen Kunden) könnte er erwerben. Doch ein anderer Deal erscheint ihm wichtiger.
Hartmann setzt alles daran, die britische Stromfirma Powergen samt ihrem starken US-Geschäft zu übernehmen. Und eine Auflage der amerikanischen Genehmigungsbehörden könnte sein, das Wassergeschäft nicht mehr weiter auszudehnen. Dann würde Hartmann die Saur-Pläne sofort fallen lassen und sich wohl irgendwann komplett von der nicht mehr entwicklungsfähigen Wassersparte trennen - das Aus für Gelsenwasser.
So könnte der zersplitterte deutsche Wassermarkt bald ein überschaubareres Bild abgeben: Nur rund 100 selbstständige Versorger dürften die Welle von Privatisierungen, Kooperationen und Verkäufen überstehen, glauben die Branchenanalysten von DB Research.
Hanno Al Hames will auf jeden Fall dazugehören. Er vertraut auf seine guten Zahlen.
Schließlich erwirtschaftet er jedes Jahr rund 60 Millionen Euro Gewinn. Andererseits liegt genau in diesem schönen Geschäftsergebnis die Gefahr: 750 Millionen Euro, Minimum, würden Interessenten dem Eigentümer Hamburg zahlen, falls der Stadtstaat seine Wasserwerke verkaufen will.
Bei solchen Summen kommt jeder Finanzsenator ins Grübeln, sei er noch so traditionsbewusst.
Dietmar Student
© manager magazin online 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH