Strom und Gas sind weitgehend verteilt, jetzt liefern sich die Multis einen heißen Kampf um den deutschen Wassermarkt. Der Einsatz lohnt: Es geht um ein Milliardengeschäft.
Der deutsche Wassermarkt: Ein Milliardengeschäft
Tradition ist ihm wichtig, wer würde das nicht verstehen. Seit zehn Jahren leitet Hanno Al Hames (62) das älteste Wasserunternehmen Deutschlands, die ehrwürdigen Hamburger Wasserwerke; deren Ursprünge reichen bis in das Jahr 1848 zurück.
Und der Mann, im syrischen Damaskus aufgewachsen, entstammt einer Region, die ihre Blüte tausende Jahre vor Christus vor allem einer Kunst verdankte: dem schonenden Umgang mit der knappen Ressource Wasser.
Wer so viel Überliefertes bewahren, so viel Historie pflegen muss, der reagiert besonders sensibel auf störende Einflüsse von außen. Erst recht von innen.
Zum Jahresende bricht Hames deshalb mit einer Tradition: Er tritt aus dem Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft aus, dem die Hamburger seit einem halben Jahrhundert angehören.
Hames sieht die Interessen seiner Firma nicht mehr vertreten. "Fachfremde", zürnt der Hanseat, verspielten das "gemeinsame Erbe", weil es "nur noch um Macht und Geld" gehe. Der Verband sei zu einer Lobby privater Energiekonzerne verkommen, die nur ein Ziel verfolgten: "günstige Rahmenbedingungen für den Einstieg in die Wasserversorgung".
Die Zeiten des idyllischen Feuchtbiotops, in dem mehr als 6000 kommunale Wasserbetriebe innerhalb geschützter Gebietsmonopole aus dem Vollen schöpfen konnten, sind vorbei. Ganz unromantisch nehmen private Großfirmen den Mikrokosmos in Besitz: mit viel Flüssigem in der Kasse, fest auf die Finanznöte klammer Kämmerer vertrauend, die sich Investitionen in marode Wassernetze nicht mehr leisten können.
Die Multis lockt die Aussicht auf ein Milliardengeschäft. Weltweit, schätzen Experten, wird sich der Umsatz privater Anbieter bis 2010 auf mehr als 430 Milliarden Euro vervierfachen. Trotz stagnierenden Verbrauchs ist auch in Deutschland noch Wachstum drin: per Verdrängung.
Die Märkte für Strom und Gas sind allmählich verteilt. Nun rangeln die Energieriesen um die letzte Ressource in öffentlichem Eigentum: 17 849 Wasserwerke und ihre Kunden.
Die Konzernchefs wollen auf eine gesetzlich legitimierte Marktöffnung nicht mehr warten. Es geht eben auch ohne, durch Zukäufe und Beteiligungen.
Dietmar Student
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