23.01.2002
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Banken

Stunde der Sanierer

4. Teil: Wer übrig bleibt

Was also sind die Perspektiven der Geldhäuser? Teillösungen, eventuell auch mit ausländischen Partnern, scheinen derzeit die einzige Chance der Großbanken, ihre unrentablen Geschäftsbereiche in den Griff zu bekommen. Vollfusionen im Inland sind wohl nicht mehr drin; alle Varianten wurden schon erfolglos durchgespielt.

Marktanteile aus dem öffentlichrechtlichen Block der deutschen Kreditwirtschaft herauszukaufen, das dürfte ebenfalls nicht gelingen. Gewiss, die Sparkassen sind nicht von Rentabilitätsproblemen verschont geblieben; ihre öffentlichen Träger sind jedoch nicht bereit, den Großbanken das Terrain abzutreten.

Die öffentlich-rechtlichen Landesbanken wiederum müssen sich zwar jetzt auf Druck der EU-Kommission von ihren staatlichen Schutzherren abnabeln. Doch diese Institute sind für die privaten Geldhäuser keine attraktiven Partner.

Trotz aller Probleme, trotz all dieser Unsicherheiten: Topbanker geben sich in diesen Tagen überzeugt, dass die Gesundung gelingt und die überfällige Konsolidierung kommt.

Vielleicht ist die Branche ja doch für Überraschungen gut. Notfalls mit Unterstützung der Versicherer.

Mancher Experte setzt auf ein Szenario, in dem die Allianz eine Schlüsselrolle spielt: Sie könnte sich - allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz - in ein paar Jahren vom Firmenkunden- und Kapitalmarktgeschäft der Dresdner Bank (Corporates & Markets) trennen. Dieser Bereich würde gut zum entsprechenden Geschäft der Commerzbank passen, die im Gegenzug Filialen und Asset Management bei der Allianz abliefern würde.

Fehlte nur noch die Übernahme der HVB durch die Münchener Rück, und die Konsolidierung wäre perfekt.

Übrig blieben zwei Allfinanzkonzerne, mit der Deutschen Bank ein Global Player und eine neue Firmenkundenbank mit europäischer Perspektive.

Oder mischt vielleicht doch noch das eine oder andere ausländische Institut hier zu Lande mit? Die schweizerischen, spanischen, niederländischen und britischen Geldriesen zeigen wenig Neigung, groß in Deutschland einzusteigen, solange der hiesige Markt so klägliche Renditen bietet.

Die Deutschen, so scheint es, müssen ihre Probleme erst einmal selbst lösen. Der Leidensdruck ist jetzt jedenfalls groß genug, die Krise kann nicht mehr verdrängt werden.

Weiter zu: Geldriesen am Scheideweg


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