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07.12.2012
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Die Wirtschaftsglosse
Steh auf, wenn du ein Schaffner bist

Von Maren Hoffmann

So geht es doch auch: Bahnchef Rüdiger Grube ist hier dabei, seinen Bonus zu sichern, der seit diesem Jahr auch von der Mitarbeiterzufriedenheit abhängt
dapd

So geht es doch auch: Bahnchef Rüdiger Grube ist hier dabei, seinen Bonus zu sichern, der seit diesem Jahr auch von der Mitarbeiterzufriedenheit abhängt

Die Bahn wieder. Jetzt stellen sie auch noch das Bonussystem für das Manager-Fußvolk um. 4800 Führungskräfte hängen am Ende des Tages von der Zufriedenheit der Kunden und Mitarbeiter ab. Wir hätten da auch noch einige Vorschläge.

Über ihre Bonusprogramme macht die Deutsche Bahn (DB) sich viele Gedanken. Die Kunden können mit ihren "bahn.bonus"-Punkten so sinnvolle Dinge erwerben wie den "EM41 Digital TENS EMS von Beurer" (5000 Punkte).

Der dient laut Prämienshop der "transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS) - zur medikamenten- und nebenwirkungsfreien Schmerzenlinderung" (und ehe Sie sich darüber lustig machen: Das kann sehr sinnvoll sein. Etwa, wenn man Rücken hat, weil man sich im Regionalzug zwischen zwei Fahrrädern krümmt, während einem ein Vieltelefonierer seinen Rucksack seitlich in die Rippen bohrt).

Maren Hoffmann pendelt fast jeden Morgen im Regionalzug nach Hamburg.
manager-magazin.de

Maren Hoffmann pendelt fast jeden Morgen im Regionalzug nach Hamburg.

Aber das Bahn-Management, das gibt sich mit "Schmerzenlinderung" nicht zufrieden. Je nach Hierarchierang gibt es 25 bis 60 Prozent des Grundgehalts als Bonus für erfolgreiche Führungskräfte. Aber wie misst man Erfolg? Früher gerne mal am Gewinn. Seit Anfang des Jahres hängt der Bonus für den Vorstand aber maßgeblich von der Zufriedenheit der Kunden und der Mitarbeiter ab - und ab dem kommenden Jahr ist auch das gehobene Fußvolk dran, also rund 4800 Manager.

Man geht also ebenso beherzt wie hurtig zu Werk. Um die Kundenzufriedenheit zu steigern, hat die Bahn jetzt erstmal die Preise um 2,8 Prozent erhöht. Das ist ein sinnvoller Schritt, denn die bahn.bonus-Punkte bekommt man nur für erzielten Umsatz. Je mehr man für die Fahrkarte bezahlt, desto mehr Punkte - und desto schneller rückt der EM41 Digital TENS EMS in erreichbare Nähe, und der Schmerz hat endlich ein Ende.

Außerdem ist, was wenig kostet, auch weniger wert, man kennt das von ultrateuren Konzerten. Wenn man 80 Euro für einen stickigen Stehplatz bezahlt hat, tut man sich erfahrungsgemäß äußerst schwer, zuzugeben, dass es ein lausiger Abend war. Deutlich leichter fällt es, wenn es nur knapp drei Euro für eine Karte im Nahverkehr waren, die man für den stickigen Stehplatz hingelatzt hat. Insofern ist bei der Preisgestaltung noch viel Luft nach oben, und die Bahn täte gut dran, einfach mal überall beherzt mindestens eine Null vor dem Komma dranzuhängen, damit die dauernde Meckerei endlich ein Ende hat.

Die Wirtschaftsglosse im manager magazin

Jeden Freitag eröffnen Autoren aus der Print- und Onlineredaktion von manager magazin einen anderen Blickwinkel auf das Wirtschaftsgeschehen: Weniger kursrelevant, aber am Ende des Tages umso unterhaltsamer.
A propos Stehplatz: Anfang des Jahres beschwerte sich DB-Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg (dessen Bonus da schon von der Kundenzufriedenheit abhing) über Bahn-Angestellte, die es auch in vollen Zügen gerne bequem haben: "Es ärgert mich maßlos, wenn Führungskräfte oder Mitarbeiter sitzen, während zahlende Kunden stehen", sagte er damals, übrigens im Stehen. Also sinngemäß: Steh auf, wenn du ein Schaffner bist!

Allerdings hat der gute Mann vergessen, dass auch die Mitarbeiterzufriedenheit zählt. Was wäre gewonnen, wenn es sich die Kegelgruppe Elberfeld-Süd im lauschigen Dienstabteil gemütlich macht, während die Zugbegleiter sich maulend auf dem Gang herumdrücken müssen? Unterm Strich bliebe die Summe der Unzufriedenheit gleich, nur anders verteilt, was auch auf den Bonus zuträfe. Wahrscheinlich ist es bei der Bahn eh wie überall: Wenn jeder nur halb so viel an Bonus bekäme, wie er selbst glaubt, dass er verdient hätte, dann wäre das immer noch locker doppelt soviel, wie er tatsächlich nach Leistung verdient hätte.

Eine Lösung wäre, dass man nicht nur die Manager, sondern auch das breite Bahnervolk in das Bonussystem einbindet. Vielleicht gemeinschaftlich, Kunden und Servicepersonal gleichberechtigt. Am einfachsten ginge das mit einem Like-Button. Das wäre auch technisch ganz einfach und kostengünstig zu lösen, man müsste in den Zügen auf dem Knopf mit der Aufschrift "Tür öffnen" nur die grünen Lichtlein durch blaue ersetzen und einen hochgereckten Daumen in die Mitte platzieren. Schwupp, könnte man so viele Likes sammeln, dass den Social-Media-Managern der Bahn ganz schwummrig würde vor Glück.

A propos Social Media: Ungeklärt ist, wer bei der Bahn eigentlich wirklich das Sagen hat. So als unbedarfter Wirtschaftsjournalist hätte man ja auf Rüdiger Grube getippt. Aber das kann nicht sein. Die Bahn nämlich, in den sozialen Netzwerken ganz vorn dabei, hat jüngst stolz verkündet, man "setze jetzt auf Foursquare". Auf dem standortbasierten Portal kann man per Smartphone an seinen Lieblingsorten einchecken, wer das am häufigsten tut, wird "Mayor" (Bürgermeister) des jeweiligen Ortes.

Bei der Zentrale der Deutschen Bahn in Berlin, wo die Schienen der Macht zusammenlaufen, ist das ein gewisser Alex R., der in 60 Tagen sage und schreibe 44 Mal eincheckte. Nun dürfen weder Angestellte noch Chefs ins Rennen um die Bürgermeisterschaft gehen. Aber wenn Alex R. nicht bei der Deutschen Bahn arbeitet - was hat der dann nahezu jeden Tag dort zu suchen? Welche Rolle spielt Rüdi G.? Worum ging es in den Treffen?

Wir fordern schonungslose Aufklärung, können uns allerdings gerade aus technischen Gründen nicht selbst um die Sache kümmern. Wir danken für Ihr Verständnis. ßänk ju for rieding sis artikel.

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