Sonntag, 23. Juli 2017

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Die Wirtschaftsglosse Fröhliche Tilger

Hat alles im Griff: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble

Eine Initiative gut gelaunter Bürger will Deutschland von der Schuldenlast befreien. Etliche haben schon freiwillig Teile ihres Vermögens abgegeben. Die Bundesbank will das Geld nicht annehmen. Jetzt muss die Sparkasse Dießen-Landsberg das Land retten. Aber sie ist nicht allein.

Sehr viele wohlhabende Deutsche, das ist bekannt, bringen ihr Geld ins Ausland. Das ist vom Ansatz her gar nicht mal so verkehrt, wenn man bedenkt, dass Deutschland ganz viele Schulden dort hat. Aber irgendetwas läuft trotzdem schief, jedenfalls steigt die Staatsverschuldung ständig. Oder etwa nicht?

Nun, das eine sind die Zahlen, das andere ist, um es einmal vorsichtig auszudrücken, die persönliche Wahrnehmung. Zum Beispiel die des Finanzministers. Wolfgang Schäuble hat jetzt endlich einmal Klartext schreiben lassen: "Die Bundesregierung hat bereits in der Vergangenheit verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Staatsverschuldung zu reduzieren", schrieb ein von ihm beauftragter Referent der Initiative "Hurra, wir tilgen", die unser Land durch eine allgemeine Vermögensabgabe innerhalb von zehn Jahren schuldenfrei machen will und bei Schäubles Ministerium für diese Idee warb.

Maren Hoffmann
manager-magazin.de
Maren Hoffmann
Da müssen wir ganz selbstkritisch anmerken: Hoppla. Das haben wir verschwitzt. Wie schade, dass ausgerechnet die tolle Erfolgsgeschichte der Konsolidierung unserer Staatsfinanzen in dem Wust von Informationen, mit dem so eine Wirtschaftsredaktion tagtäglich zugeschüttet wird, offenbar untergegangen ist. Wir haben davon leider wirklich nichts mitbekommen, keine Ahnung, wieso. Vielleicht war auch einfach grade Mittagspause.

Aber das ist letztlich auch nicht so schlimm. Hauptsache, die Sache ist auf gutem Wege und wir müssen uns weiter keine Sorgen machen. Wozu dann noch auch eine Vermögensabgabe? Mit Schäuble ist sie eh nicht drin. Erstens, argumentiert sein Schreiber, sei ganz viel Geld im Ausland, wo man so schwer Zugriff habe, zweitens hätte man "keine aktuellen Daten über Verteilungswirkungen und insbesondere die Anzahl der belasteten Haushalte bei einer Vermögensabgabe", und außerdem würde diese breite Bevölkerungskreise belasten, die die Abgabe deshalb wohl ablehnen würden.

Die Wirtschaftsglosse im manager magazin
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Hm. Da ist was dran. Wir haben das durch eine repräsentative Blitzumfrage in der Mittagspause verifiziert: Von 13 Befragten hätten 13 lieber mehr Geld als weniger Geld auf dem Konto. Das sind deutlich mehr als 60 Prozent. Allerdings gilt das auch für Schäubles Ministerium - mit der Abgabe würde es nichts, aber jeder freiwillige Beitrag zur Senkung der Staatsverschuldung sei selbstverständlich willkommen, teilte man den fröhlichen Tilgern der Initiative mit, von denen etliche schon mal einen Beitrag nach eigenem Ermessen abgeführt haben.

Die Bundesbank allerdings wollte das Geld nicht annehmen. Laut Initiative schrieb sie zurück: "Auch unter Berücksichtigung des besonderen Gründungszwecks der Deutschen Tilgungsinitiative ist eine Kontoeröffnung in unserem Haus nicht darstellbar. Wir bedauern daher, dass wir Ihren Antrag auf Kontoeröffnung nicht annehmen können."

Schade. Aber gut, die Bundesbank hat vielleicht wirklich anderes zu tun, als sich um die Staatsfinanzen zu kümmern. Jetzt geht das Geld also erstmal bei der Sparkasse Dießen-Landsberg ein. Die erste Überweisung ging von dort aus am 30. Dezember vergangenen Jahres raus, nach einem Monat des Sammelns. 14.250 Euro, Verwendungszweck: "1. Rate Tilgung der deutschen Staatsschulden." Die aktuelle Staatsverschuldung liegt etwa bei 1,7 Billionen Euro, in Ziffern: 1.700.000.000.000 Euro.

Wenn es in dem Tempo weitergeht, wird aller Wahrscheinlichkeit nach unser Planet samt Bundesbank, Finanzministerium und Sparkasse Dießen-Landsberg in die Sonne gestürzt sein, bevor die Schulden auch nur annähernd getilgt sind. Andererseits: Die Initiative muss das ja nicht alleine wuppen. Wir können bestimmt darauf vertrauen, dass die Bundesregierung auch in der Zukunft "verschiedene Maßnahmen ergreifen" wird, "um die Staatsverschuldung zu reduzieren".

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