Freitag, 16. November 2018

Die Wirtschaftsglosse Nuklearexplosion soll Ölleck schließen

60.000 Barrel Öl strömen täglich in den Golf von Mexiko. BP scheint unfähig, das Leck zu schließen. Am Ende des Tages könnte der russische Experte Viktor Michailov helfen: "Ich weiß nicht, worauf BP wartet", sagt Michailov. "Eine nukleare Explosion mit der Stärke von nur zehn Kilotonnen würde das Problem lösen."

Wir haben den Dilettanten von BP lange genug zugeschaut. Operation "Top Kill" ist gescheitert. Schlamm und Golfbälle haben nichts genützt, die Diamantsäge ist eingeklemmt. Seit mehr als zwei Monaten strömen Unmengen Öl in den Golf von Mexiko. Zeit, das Problem endlich zu lösen und Experten zu holen. Holt die Russen.

Viktor Michailov weiß, wovon er spricht. Der frühere russische Minister für Nuklearenergie empfiehlt eine durchschlagende Lösung: Eine Unterwasserexplosion in 1500 Meter Tiefe im Golf von Mexiko würde das Loch schließen und lediglich rund zehn Millionen Dollar kosten, sagt Michailov. Zwischen 1966 und 1979 haben die Sowjets insgesamt fünfmal nukleare Sprengköpfe gezündet, um Gaslecks zu schließen. In drei bis vier Fällen habe das sogar geklappt - je nachdem, mit wem man spricht.

Eine absurde Idee? Keinesfalls. Das Ausmaß der Umweltkatastrophe ist ebenso groß wie das Ausmaß der Hilflosigkeit des Ölkonzerns BP. Also erscheint die Idee, das Leck mithilfe einer Explosion zu verschließen, naheliegend.

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Geradezu zwingend erscheint diese bombastische Lösung, wenn man zurückblickt, mit welchen filmreifen Mitteln BP der Katastrophe bislang Herr werden wollte. Erst die Pleite mit Golfbällen und Schlamm. Dann der Ruf nach ehemaligen Hollywood-Stars: Bei "Waterworld"-Darsteller Kevin Costner bestellte BP zahlreiche Zentrifugen, die wie ein Staubsauger den Ölfilm aufsaugen und Wasser von Öl trennen sollen. Das Angebot von "Titanic"-Regisseur James Cameron, der dem Konzern zwei sogenannte Mir-U-Boote für Erkundungen in großer Tiefe zur Verfügung stellen wollte, lehnte BP dankend ab. Was liegt also jetzt näher, als dem Drehbuch des Hollywood-Klassikers "Armageddon" folgend, nun mithilfe einer Explosion die Welt zu retten? Es muss doch nicht immer Bruce Willis sein. Der Michailov versteht sein Handwerk auch.

Regisseur James Baldwin soll angeblich schon vor Ort sein, um an einem Dokumentarfilm zu arbeiten. Darf Michailov auf den roten Knopf drücken, steht vielleicht sogar ein Remake von "Der Spion, der mich liebte" an. Kein Witz, das alles. Alles unendlich traurig.

Während BP-Experten noch über die russische Atomofferte nachdenken, haben sie sicherheitshalber schon mal zu einem weiteren globalen Ideenwettbewerb aufgerufen. Motto: "Hey, wir haben da ein Problem in 1500 Meter Meerestiefe. Falls jemandem was einfällt, bitte melden."

Eine Idee hätten wir. Vielleicht künftig nicht mehr so tief bohren. Über Alternativen zum Öl nachdenken. Und bis es so weit ist, bitte prüfen, ob Genosse Michailov dieses Drama mit einem Big Bang beenden kann.

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