Dienstag, 20. November 2018

Die tägliche Wirtschaftsglosse Wovon Schreiber nur träumen konnte

Wenn kaum was geht in der Krise - Waffen gehen immer. Zumal jetzt Wirklichkeit wird, wovon selbst Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber nur träumen konnte: In den Bars von Arizona dürfen am Ende des Tages wieder Waffen getragen werden.

Andreas Heeschen musste sich entscheiden. Waschmittel, Gartengeräte oder Waffen. Umtost von der Finanzkrise, traf Heeschen Ende 2008 die einzig richtige Entscheidung: Er nahm Abschied vom Waschmittelhersteller Luhns. Nahm Abschied vom Gartengerätehersteller Wolf. Konzentrierte sich auf Europas größten Waffenhersteller Heckler & Koch, der ihm das Vertrauen kurz darauf mit einem Rekordergebnis dankte. Nettogewinn: Verdoppelt. Umsatz: Sprunghaft gestiegen. Stammkunden: Die Streitkräfte.

Kai Lange
Kai Lange
Gut möglich, dass Heeschen bei seiner Entscheidung an Karlheinz Schreiber gedacht hat, jenen ehrbaren Handelsvertreter, der mit Provisionen aus Waffengeschäften so blendend verdiente, dass er vor lauter Geldzählen womöglich das Steuerzahlen vergaß. Möglich auch, dass sich Heeschen vor allem an den schnellen Andy erinnert hat, jenen ehrbaren Handelsvertreter aus Martin Scorseses Taxi Driver, der dem hilfesuchenden Hauptdarsteller Travis Bickle ein paar seiner Schätzchen verkauft.

Ne 44er Magnum zum Beispiel. Teure Kanone. Oder ne 38er Stupsnase. Hübsches kleines Ding, alles vernickelt. Und noch was Heißes, ne 38er Walther, mit acht Schuss im Magazin. Mit der man immer vorn liegt. Heeschen wusste, was auch der schnelle Andy wusste: Waffen gehen immer, besonders in schwieriger Zeit.

Folgerichtig greift Heeschen nun in den USA an. Produziert dort Pistolen für den Zivilmarkt, mit gutem Grund: Die National Rifle Association (NRA) hat kürzlich durchgesetzt, dass in den Bars und Restaurants von Arizona endlich wieder Waffen getragen werden dürfen.

Zwar nur verdeckt, vorerst. Doch die NRA wäre nicht die NRA, wenn sie diese ärgerliche Einschränkung nicht bald kippen würde. Dann dürfen die Bürger Arizonas wieder frei entscheiden. In die Bar, mit dem Schätzchen. Verdeckt im Holster, oder doch lieber lässig baumelnd an der Hüfte.

Die Wirtschaftsglosse im manager magazin
Jeden Freitag eröffnen Autoren aus der Print- und Onlineredaktion von manager magazin einen anderen Blickwinkel auf das Wirtschaftsgeschehen: Weniger kursrelevant, aber am Ende des Tages umso unterhaltsamer.
Die NRA versteht ihr Geschäft. Sie hat bereits angemessen auf diese überempfindlichen Kneipenwirte reagiert. Jene Mimosen, die nervös werden, wenn sich ihre Gäste erst vollaufen lassen und dann vom Leder ziehen. Diese Altpazifisten dürfen doch tatsächlich das Schild "No firearms" in ihrem Etablissement anbringen. Einfach so.

Doch dank der NRA gehen die Waffenträger dennoch straffrei aus, wenn das Schild nicht gut lesbar sein sollte oder der bewaffnete Kneipenbesucher nicht aus Arizona stammt. Das ist ein Volltreffer gegen Überregulierung.

Und jetzt kommt Heckler & Koch. Mit Präzisionswaffen. Made in Germany. Es gibt Leute, die wollen 'ne Heckler & Koch und nichts anderes, würde der schnelle Andy sagen. Und die Barbesucher in Arizona dürften bald die gleiche große Auswahl haben wie der Taxi Driver, bevor er, nun ja, durchdreht. Sie können wählen zwischen Colt und Heckler & Koch, es ist schließlich ein freies Land mit freien Märkten. So geht Aufschwung.

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