Von Maren Hoffmann
Über ihre Bonusprogramme macht die Deutsche Bahn (DB) sich viele Gedanken. Die Kunden können mit ihren "bahn.bonus"-Punkten so sinnvolle Dinge erwerben wie den "EM41 Digital TENS EMS von Beurer" (5000 Punkte).
Der dient laut Prämienshop der "transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS) - zur medikamenten- und nebenwirkungsfreien Schmerzenlinderung" (und ehe Sie sich darüber lustig machen: Das kann sehr sinnvoll sein. Etwa, wenn man Rücken hat, weil man sich im Regionalzug zwischen zwei Fahrrädern krümmt, während einem ein Vieltelefonierer seinen Rucksack seitlich in die Rippen bohrt).
Maren Hoffmann pendelt fast jeden Morgen im Regionalzug nach Hamburg.
Man geht also ebenso beherzt wie hurtig zu Werk. Um die Kundenzufriedenheit zu steigern, hat die Bahn jetzt erstmal die Preise um 2,8 Prozent erhöht. Das ist ein sinnvoller Schritt, denn die bahn.bonus-Punkte bekommt man nur für erzielten Umsatz. Je mehr man für die Fahrkarte bezahlt, desto mehr Punkte - und desto schneller rückt der EM41 Digital TENS EMS in erreichbare Nähe, und der Schmerz hat endlich ein Ende.
Außerdem ist, was wenig kostet, auch weniger wert, man kennt das von ultrateuren Konzerten. Wenn man 80 Euro für einen stickigen Stehplatz bezahlt hat, tut man sich erfahrungsgemäß äußerst schwer, zuzugeben, dass es ein lausiger Abend war. Deutlich leichter fällt es, wenn es nur knapp drei Euro für eine Karte im Nahverkehr waren, die man für den stickigen Stehplatz hingelatzt hat. Insofern ist bei der Preisgestaltung noch viel Luft nach oben, und die Bahn täte gut dran, einfach mal überall beherzt mindestens eine Null vor dem Komma dranzuhängen, damit die dauernde Meckerei endlich ein Ende hat.
Allerdings hat der gute Mann vergessen, dass auch die Mitarbeiterzufriedenheit zählt. Was wäre gewonnen, wenn es sich die Kegelgruppe Elberfeld-Süd im lauschigen Dienstabteil gemütlich macht, während die Zugbegleiter sich maulend auf dem Gang herumdrücken müssen? Unterm Strich bliebe die Summe der Unzufriedenheit gleich, nur anders verteilt, was auch auf den Bonus zuträfe. Wahrscheinlich ist es bei der Bahn eh wie überall: Wenn jeder nur halb so viel an Bonus bekäme, wie er selbst glaubt, dass er verdient hätte, dann wäre das immer noch locker doppelt soviel, wie er tatsächlich nach Leistung verdient hätte.
Eine Lösung wäre, dass man nicht nur die Manager, sondern auch das breite Bahnervolk in das Bonussystem einbindet. Vielleicht gemeinschaftlich, Kunden und Servicepersonal gleichberechtigt. Am einfachsten ginge das mit einem Like-Button. Das wäre auch technisch ganz einfach und kostengünstig zu lösen, man müsste in den Zügen auf dem Knopf mit der Aufschrift "Tür öffnen" nur die grünen Lichtlein durch blaue ersetzen und einen hochgereckten Daumen in die Mitte platzieren. Schwupp, könnte man so viele Likes sammeln, dass den Social-Media-Managern der Bahn ganz schwummrig würde vor Glück.
A propos Social Media: Ungeklärt ist, wer bei der Bahn eigentlich wirklich das Sagen hat. So als unbedarfter Wirtschaftsjournalist hätte man ja auf Rüdiger Grube getippt. Aber das kann nicht sein. Die Bahn nämlich, in den sozialen Netzwerken ganz vorn dabei, hat jüngst stolz verkündet, man "setze jetzt auf Foursquare". Auf dem standortbasierten Portal kann man per Smartphone an seinen Lieblingsorten einchecken, wer das am häufigsten tut, wird "Mayor" (Bürgermeister) des jeweiligen Ortes.
Bei der Zentrale der Deutschen Bahn in Berlin, wo die Schienen der Macht zusammenlaufen, ist das ein gewisser Alex R., der in 60 Tagen sage und schreibe 44 Mal eincheckte. Nun dürfen weder Angestellte noch Chefs ins Rennen um die Bürgermeisterschaft gehen. Aber wenn Alex R. nicht bei der Deutschen Bahn arbeitet - was hat der dann nahezu jeden Tag dort zu suchen? Welche Rolle spielt Rüdi G.? Worum ging es in den Treffen?
Wir fordern schonungslose Aufklärung, können uns allerdings gerade aus technischen Gründen nicht selbst um die Sache kümmern. Wir danken für Ihr Verständnis. ßänk ju for rieding sis artikel.
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