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06.05.2010
 

Die tägliche Wirtschaftsglosse

Zweiarmige Banditen

Von Dietmar Student

Die ehemalige Steuersenkungspartei FDP will nun das Glücksspiel fördern. Genial! Der Staatshaushalt wäre gerettet - und Deutschland hätte am Ende des Tages seinen Stammplatz in der EU sicher.

Wer dieser Tage auf EU-Schuldentabellen blickt, den graust es gewaltig. Au backe! Wären Europas Potentaten konsequent, dann würde die EU zu einer Bonsai-Gemeinschaft verkümmern. Falls alle Stabilitätssünder die EU verlassen müssten, blieben übrig: eine solide Nordallianz (Dänemark, Schweden, Finnland, Estland) sowie die ökonomische Großmacht Luxemburg. Gut, das Thema Agrarsubventionen hätte man dann halbwegs im Griff. Und womöglich könnte Jean-Claude Juncker doch noch EU-Präsident werden. Aber die Sache hätte eben den entscheidenden Nachteil: Deutschland müsste draußen bleiben.

Dietmar Student

Dietmar Student

Wer oder was könnte uns vor diesem Schicksal bewahren? Ein Sieg der Bayern im Champions-League-Finale? Ein erster Platz von Lena Meyer-Landrut beim Eurovision Song Contest? Nee, da hilft natürlich nur die FDP.

Längst haben sich die Freidemokraten ja von ihren Großsteuersenkungsplänen verabschiedet. Die niedersächsischen Parteifreunde wollen stattdessen das Glücksspiel fördern und kräftig besteuern. So soll ordentlich Geld in die Staatskasse kommen.

Prima Idee. Man muss dann natürlich die Bemessungsgrundlage ein wenig erweitern. Die Einnahmen aus Spielbanken werden kaum reichen, um die öffentlichen Finanzen zu sanieren. Überfällig etwa: eine Abgabe auf "Elf hoch" und "Lustige Sieben". Zum Wohle der Haushaltskonsolidierung selbstredend heranzuziehen: "Schwimmen", "Häufeln" und "Mauscheln". Sowie, als des ganzen Volkes Beitrag, vom Kindergartenkind bis zum Greis: die "Mau-Mau"-Taxe. Über ein Ehegatten-Kniffeln muss wohl nachgedacht werden, ein Doppelbesteuerungsabkommen für zweiarmige Banditen (Investmentbanker, Fußballschiedsrichter etcetera) könnte sich als fiskalischer Scoop erweisen.

Die Wirtschaftsglosse im manager magazin
Jeden Freitag gegen 15 Uhr eröffnen Autoren aus der Print- und Onlineredaktion von manager magazin einen anderen Blickwinkel auf das Wirtschaftsgeschehen: Weniger kursrelevant, aber am Ende des Tages umso unterhaltsamer.
Die Doppelkopfpauschale gehört eh zum Standardrepertoire der Haushälter.

Eine simple Milchbubirechnung der FDP zeigt das Potenzial. Nach einer Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beteiligen sich 50 Prozent der Deutschen an Glücksspielen. Das sind 40 Millionen. Würden die nur einmal pro Woche Doppelkopf spielen und 25 Euro Gewinn pro, ähm, Kopf erwirtschaften, kämen (bei einem Steuersatz von 50 Prozent) jedes Jahr phänomenale 25 Milliarden Euro zusammen. Auf die Beckmesserei der Linken, beim Doppelkopf würden ja immer auch zwei verlieren, kann hier nicht näher eingegangen werden.

Man stelle sich vor: fünfundzwanzig Milliarden Euro, allein durch Doppelkopf. Wird zusätzlich noch geschwommen, gehäufelt oder gemauschelt, ganz zu Schweigen von Bingo, Halma oder Klamottenpoker ... man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen: Wir hätten den EU-Stammplatz sicher. Danke FDP!

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