Vor ein paar Tagen besuchte der Geschäftsführer eines Edelmetallfonds die Onlineredaktion des manager magazins, um sein Produkt vorzustellen. Ein Routinetermin.
Mit dem Geld der Anleger werde Gold und Silber gekauft, erläuterte der Mann. Zu sehr günstigen Preisen, verstehe sich. Und bei geringer Kostenbelastung, selbstverständlich. Es gebe ja viele Wege, in Gold zu investieren, so der Geschäftsführer. Aber dieser habe doch klare Vorteile. Der Fonds, so die Besonderheit, lagere das Edelmetall in Tresorräumen in der Schweiz.
Christoph Rottwilm
Das habe mit der Mehrwertsteuer zu tun, so der Geschäftsführer. Und außerdem gebe es da einige Anleger, die nicht all ihr Gold in Deutschland lagern wollten.
Warum denn nicht?
Sie fürchten ein Goldbesitzverbot.
Ein Goldbesitzverbot? In Deutschland?
Ja, so etwas habe es schon einmal gegeben. Und es könne ja wieder kommen, sei die Sorge.
Eine Recherche ergibt, dass der Besitz von Gold in Deutschland zuletzt im dritten Reich verboten war. Danach nicht mehr (auch nicht in der DDR). Wer aufmerksam die Tagespresse, Nachrichtenmagazine, TV und Radio verfolgt, wird zudem feststellen: Über ein Goldverbot wird in Deutschland nicht ernsthaft diskutiert. Genau genommen wird darüber überhaupt nicht diskutiert. Abgesehen natürlich von Kreisen eingefleischter Goldfreunde.
Was sagt uns das? Der typische Goldanleger hat vor allem drei Eigenschaften: Er ist ängstlich, misstrauisch und risikoscheu. Das gilt für viele andere Anleger auch, könnte man nun einwenden. Zum Beispiel für die passionierten Sparbuchsparer.
Wer das glaubt, unterschätzt jedoch die Ängstlichkeit, das Misstrauen und die Risikoaversion des typischen Goldkäufers. Für ihn zählt das Sparbuch schon zur Kategorie "hochriskant".
Der Grund: Goldanleger denken per se in anderen Risikodimensionen als andere Investoren. Der Aktienmarkt könnte einknicken? Eine Immobilienblase droht zu platzen? Die Konjunktur ist überhitzt? Bei so was zuckt der echte Goldkäufer nicht mal mit der Wimper. Für ihn und sein Geld drohen Gefahren ganz anderen Kalibers: Hyperinflation, Enteignung, völliger Systemcrash.
Man muss sich das ungefähr vorstellen, wie das Treffen der Dons in Der Pate, Teil 1: In einem halbdunklen Besprechungsraum in einem Nobelhotel in, sagen wir, New York City sitzt eine handvoll hochkarätiger Notenbanker, alle jenseits der 70, und berät über milliardenschwere Goldgeschäfte.
"Don Bernanke", hüstelt einer. "Die Hedgefonds treiben schon wieder den Preis. Was können wir tun?", "Keine Sorge, Don Trichet, ich mache ihnen ein Angebot, das sie nicht ablehnen können."
Die Interventionen der Zentralbanken wurden nie öffentlich gemacht, so das Fazit des 300-Seiten-Werkes. Es gebe aber "eine Vielzahl an Spuren und Hinweisen".
Und weiß nicht spätestens seit Raymond Chandler jedermann, dass es genau das ist, was eine richtig gute, spannende Geschichte ausmacht: eine Vielzahl an Spuren und Hinweisen?
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