Es war immer so leicht für die Deutschen, auf Italien hinabzublicken. Diese liebenswerten Chaoten, zwar schwer mafiös, aber mit sonnigem Gemüt. Ein wunderbares Klischee, das den italienischen Tourismus jahrzehntelang am Laufen hielt.
Matthias Kaufmann
Seine Landeskinder unterstützen das folkloristische Theater nach Kräften. Sie wählen ihn immer wieder, doch schon wenige Wochen nach dem Urnengang kann sich niemand mehr erinnern, je für ihn gestimmt zu haben. Für Deutsche ist das eine immer wieder irritierende Erfahrung: Keiner weiß, wer Berlusconi wählt. Wie kann man politisch so ignorant sein? Ach, Italien!
Gerupft wird vor allem der FDP-Herzenswunsch nach weitreichenden Steuersenkungen. Eine Mehrheit der Deutschen hält ihn für ungefähr so seriös wie ein Keuschheitsgelübde des italienischen Premiers. 58 Prozent der Befragten einer ARD-Umfrage lehnen die Senkungen ab, selbst in der FDP sind 53 Prozent dagegen.
Der Widerstand ist bei jenen Menschen besonders groß, die durch Steuersenkungen am meisten sparen könnten, bei Gutverdienern. Erstaunlich auch, wo sich derzeit stolze Bastionen der FDP finden. Die meisten Anhänger für ihre Steueridee leben in Haushalten mit geringem Einkommen. Für sie fällt es stärker ins Gewicht, ein paar Euro mehr zu haben.
Vielleicht spielt bei ihnen ja auch noch eine Hoffnung aus dem Wahlkampf eine Rolle. Da klebte die FDP Plakate mit dem Slogan: "Arbeit muss sich wieder lohnen". Ein klares Bekenntnis zum Mindestlohn, das man aus dieser politischen Ecke am wenigsten erwartet hätte. Aber da hat man die FDP, nun ja, wohl einfach nur missverstanden.
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