Von Kai Lange
Zweistellige Preissteigerungen überraschen uns nicht mehr. Zum Jahresende kommt das übliche Schreiben des Strom- und Gasversorgers: Man habe sich zwar bemüht, die Preise niedrig zu halten, aber leider etc. usw. Oder die Post der privaten Krankenversicherung: Man gehe zwar behutsam mit dem Geld um, aber die allgemeinen Preissteigerungen im Gesundheitswesen etc. usw.
Kai Lange
Das, um im Bild zu bleiben, haut uns um. Gegen die Energie- und Gesundheitsmafia wissen wir uns ja zu wehren: Lassen auch bei klirrender Kälte nur dann über Nacht die Heizung an, wenn die Wände schon eisig schimmern. Gehen nur dann zum Arzt, wenn der Blutverlust unerträglich wird. Aber auf den Weihnachtsbaum zu verzichten, auf die Hoffnung spendenden Lichter, das geht nicht. Nicht nach einem Jahr wie diesem.
Die besten Lösungen sind klar und einfach. Wir hauen den Baum nicht mehr um, wir graben ihn aus. Und Anfang Januar selbstverständlich wieder ein. Wie unser oft belächelter Nachbar, der das schon seit Jahren so macht. Der sich von Energiekonzernen nicht mehr quälen lässt, weil er eine Solaranlage auf dem Dach hat. Der nie zum Arzt muss, weil er so oft in frischer Luft in der Erde herumscharrt. Der seit Jahren seiner Fichte im Garten beim Wachsen zusieht und sie einmal pro Jahr samt Wurzelballen zu sich holt. Wären mehr Menschen so wie er, Kopenhagen wäre nicht gescheitert.
Wir dagegen haben verstanden. Wir greifen zum Spaten, graben die Fichte aus und ein paar Goldbarren ein. Zurück zu den Wurzeln, so kann uns nichts passieren. Dem Nichtversteher dagegen, der seine langweilige Nordmanntanne auf die übliche schlampige Weise auf dem Autodach befestigt hat, droht gleich die doppelte Teuerung: Er zahlt nicht nur rund 50 Euro für zwei Meter totes Holz. Er zahlt nochmal 50 Euro Geldbuße und bekommt drei Punkte in Flensburg, wenn ihm die Tanne vom Touareg rutscht. So geht Gerechtigkeit.
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