Was für ein Börsenjahr, dieses 2009. Und was für ein Pech für die meisten Anleger, dass sie wieder mal nichts davon mitbekommen haben.
Christoph Rottwilm
Aber was ist mit dem Rest? Woran liegt es, wenn ein Privatmann an der Börse keinen Erfolg hat? Er macht doch alles richtig. Er kauft Aktien, und er verkauft sie.
Er liest jede kursrelevante Nachricht (allerdings erst, nachdem der Kurs darauf schon reagiert hat). Er verfolgt alle Konjunkturdaten, Stimmungsbarometer, Arbeitsmarktzahlen, Ölberichte, Analystenstimmen (auch wenn er meist gar nicht weiß, was ihm das alles eigentlich sagen soll). Er kann immer auf die zweite Nachkommastelle genau beziffern, welcher Experte von welchem Institut gerade welches Wirtschaftswachstum vorhersagt (die Prognosen ändern sich zwar dauernd, aber das scheint ja sonst auch keinen zu stören).
Außerdem lässt er sich, kluger Investor, der er ja ist, sein Portfolio von einem gut ausgebildeten Finanzberater optimieren (manche lassen sich sogar von einem Finanzoptimierer beraten). Wie können Verluste da überhaupt noch entstehen?
Nein, nein, es kann nur an den weichen Faktoren liegen: Mut, Näschen, Timing.
Aber Mut? Ist es nicht so: Wer nach den Ereignissen um die Jahrtausendwende noch mit Aktien handelt (Stichwort Internetblase), dem fehlt es wohl an so manchem (Vernunft, Verantwortungsgefühl, Zurechnungsfähigkeit). Aber an Mut?
Aber halt. Auf das Näschen kann man doch verzichten. Schließlich ist (fast) jede Aktie ein Kauf - die Frage ist nur: wann?
Auf das Timing also kommt es an. Interessant. Der normale Anleger ist einfach nicht in der Lage, im richtigen Moment zuzupacken oder loszulassen. Ist ihm nicht gegeben. Er kommt immer zu spät. Er kauft zu spät, und er verkauft zu spät. Und dann merkt er auch noch viel zu spät, dass er alles zu spät macht. Und das macht es nur noch schlimmer.
Aber es gibt einen Trost: Alle Fachleute sagen schließlich, es sei praktisch unmöglich, das richtige Timing für Investments zu finden. Brauche man gar nicht erst zu versuchen, habe noch nie einer geschafft.
Der Privatmann muss sich also kein bisschen doof vorkommen. Denn er weiß den Profi an seiner Seite. (Das ist wohl auch der Grund dafür, dass sich die Erfolge der beiden so sehr ähneln.)
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