Von Klaus Werle
Im Afrika-Urlaub las ich Paul von Lettow-Vorbecks "Heia Safari", des genius loci wegen. Wie sich rasch herausstellte, illustrierten die Erinnerungen des Kommandeurs der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika im Ersten Weltkrieg nicht nur anschaulich das koloniale Gehabe der Großmächte auf dem Schwarzen Kontinent. Vielmehr überraschte das Buch mit einer erstaunlichen Aktualität, indem es einige wesentliche Managementtheorien unserer Zeit vorwegnimmt.
Klaus Werle
Kurz: Es brennt an allen Ecken, und Lettow-Vorbeck muss alles richten. Welcher heutige Vorstandsvorsitzende kennt dieses Gefühl nicht?
Die wichtigste Lehre für den Topmanager des 21. Jahrhunderts jedoch stellt sich erst ein, nachdem der Leser das Büchlein beendet hat. Die Rede ist von der hohen Kunst der public relations. Nach fast 300 Seiten fortwährender Lettow-Vorbeck'scher Siege nämlich stellt sich ein irritierendes Gefühl ein, gespeist aus altem Schulwissen, wonach die Deutschen den Krieg eigentlich verloren haben, auch in Afrika.
Heute beschäftigen Konzerne internationale PR-Agenturen mit astronomischen Tagessätzen, um gut dazustehen. Dabei liefert Lettow-Vorbeck ein meisterhaftes Lehrstück fürs Eigenmarketing in Krisenzeiten: Man kann das Siegen von Siegern lernen, aber das ist ja öde. Viel spannender ist es, von Verlierern zu lernen, wie man trotzdem gewinnt. Turnaround-Management eben.
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