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Mythos, Beinahe-Verkauf, Hoffnungsschimmer
dapd

Mythos, Beinahe-Verkauf, Hoffnungsschimmer

Einst eine stolze deutsche Automarke, rutschte Opel tief in die Krise. Beinahe hätte General Motors seine deutsche Tochter verkauft. Nun saniert der US-Autoriese die Autoschmiede im Alleingang. Alles über Opels schwierige Genesung lesen Sie hier.


Opel-Standorte

  • Eisenach
    Das jüngste Opel-Werk wurde 1992 im westlichen Thüringen eröffnet. Der Schwerpunkt der Produktion liegt auf dem kleinen Corsa. Insgesamt bietet der Autobauer in Eisenach rund 1800 Menschen Arbeit. Ab 2013 soll in Eisenach der Junior gebaut werden, ein Kleinwagen auf einer verkürzten Corsa-Plattform
  • Rüsselsheim
    Das Stammwerk südwestlich von Frankfurt am Main ist das Herz der Adam Opel GmbH. Rund 750 Millionen Euro wurden 2002 in seine Modernisierung investiert. Die Beschäftigtenzahl liegt aktuell bei rund 15.500, davon sind etwa 7000 Mitarbeiter im internationalen Entwicklungszentrum angesiedelt, der Denkfabrik des Autobauers.

    In Rüsselsheim läuft derzeit der Mittelklassewagen Insignia in den drei Versionen Limousine, Fließheck und Kombi vom Band. Seit August 2011 wird auch der fünftürige Astra im Stammwerk gebaut.
  • Bochum
    Das 1962 eröffnete Werk, einst Produktionsstätte des Opel Kadett, baut den Astra und den Kompakt-Van Zafira. Außerdem werden in Bochum Achsen und Getriebe hergestellt. Insgesamt arbeiten an diesem Standort Ende 2010 etwa 4500 Menschen, bis Ende 2011 müssen es nach den Opel-Sanierungsplänen es ein paar hundert weniger sein. Pro Jahr laufen etwa 240.000 Autos vom Band.
  • Kaiserslautern
    In der Westpfalz stellt Opel Fahrzeugkomponenten für Karosserie, Chassis und Innenraum her. Die Powertrain GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von Opel und Fiat, produziert dort Motoren. Der Standort spielt eine wichtige Rolle im weltweiten Fertigungsverbund von GM. Insgesamt sind dort 2700 Mitarbeiter im Komponentenwerk beschäftigt. Weitere 1130 Menschen fertigen Motoren an.
  • Europa
    Opel-Autos werden außerdem in folgenden europäischen Werken produziert: Gleiwitz/Polen (Astra Classic, Zafira), Ellesmere Port/England (Astra), Luton/England (Vivaro) und Zaragoza/Spanien (Corsa, Meriva, Combo).

Opel in Europa

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    Die Opel-Standorte im Überblick

Der zähe Überlebenskampf von Opel

  • Wie alles begann
    14. November 2008: Opel muss in Folge der Schieflage des Mutterkonzerns GM um die Unterstützung aus den USA fürchten und bittet als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll Opel stützen, nach Unternehmensangaben geht es um "etwas mehr als eine Milliarde Euro".
    17. Februar 2009: Nach einem Rekordverlust arbeitet General Motors Pläne für einen Jobkahlschlag aus. Der ums Überleben kämpfende Opel-Mutterkonzern will 47.000 Stellen streichen - davon 26.000 außerhalb der USA, viele in Deutschland.
    27. Februar: Opel sieht seine einzige Rettung darin, sich weitgehend von GM abzukoppeln. Das von der öffentlichen Hand benötigte Kapital eines neuen europäischen Unternehmens Opel/Vauxhall wird auf jetzt 3,3 Milliarden Euro beziffert.
    2. März: Opel-Manager legen der Bundesregierung einen Rettungsplan vor.
    31. März: Kanzlerin Merkel stellt Unterstützung in Aussicht, aber keinen direkten Staatseinstieg.
  • Dreikampf um Opel
    23. April: Fiat will Opel übernehmen - die Arbeitnehmer sprechen sich rasch dagegen aus.
    28. April: Auch der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna meldet Interesse an und legt ein erstes Grobkonzept für Opel vor.
    12. Mai: Es wird bekannt, dass auch der in Brüssel ansässige Finanzinvestor RHJ International ein Angebot prüft - damit gibt es nun drei Interessenten für Opel.
    30. Mai: Die Grundsatzentscheidung für Magna fällt - in einer Nachtsitzung mit Bund, Ländern, GM und dem US-Finanzministerium. Damit ist der Weg frei für einen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro an Opel sowie die zeitweilige Übernahme von Opel durch eine Treuhandgesellschaft (um den deutschen Autobauer vor den Folgen einer GM-Insolvenz zu schützen). Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg stellt sich als einziger Politiker mit einer Rücktrittsdrohung dagegen und plädiert notfalls für eine Opel-Insolvenz.
    1. Juni: GM geht in die Insolvenz.
  • GM denkt um
    10. Juli: Steuermilliarden retten GM, der Konzern wird aus der Insolvenz entlassen. Nun mehrheitlich in Staatsbesitz, soll er wesentlich verkleinert überleben. Es fließen mehr als 50 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 36 Milliarden Euro) an Hilfsgeldern.
    15. Juli: RHJ International stellt ein neues Übernahmeangebot vor. Die Bundesländer mit Opel-Standorten favorisieren Magna, weil der Zulieferer verspricht, weniger Stellen zu streichen.
    19. August: Bund und Länder beschließen: Wenn GM sich für Magna entscheidet, wird Deutschland 4,5 Milliarden Euro an Kreditzusagen und Bürgschaften vorstrecken, ohne dass sich andere europäische Länder mit Standorten beteiligen müssen. GM wird unter Druck gesetzt, sich für Magna zu entscheiden.
    25. August: Erneutes Opel-Spitzentreffen zwischen Bund, Ländern und GM in Berlin. Der US-Autokonzern prüft, seine Tochter selbst zu behalten.
    2. September: RHJ International bessert sein Angebot erneut nach und fordert nun 600 Millionen Euro weniger Staatshilfen. Dennoch spricht sich die Bundesregierung erneut für Magna aus.
    10. September: Der GM-Verwaltungsrat empfiehlt einen Verkauf von Opel an Magna.
    14. September: Magna bestätigt, dass in Deutschland mehr als 4000 der rund 25.000 Stellen wegfallen werden. Aus Belgien, Großbritannien und Spanien gibt es Widerstand gegen Magna, weil deutsche Standorte bevorzugt würden. Die EU-Kommission kündigt eine "sehr sorgfältige" Prüfung der Milliardenbeihilfen an.
    16. Oktober: EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes äußert schwere Bedenken gegen die 4,5 Milliarden Euro Staatsunterstützung. Die Hilfszusagen dürften nicht an einen Bieter gebunden werden - die Bundesregierung soll sich also keinen Kaufinteressenten aussuchen dürfen, der zum Beispiel deutsche Standorte schont.
  • Opel bleibt doch bei GM
    3. November 2009: Der General-Motors-Verwaltungsrat stoppt nach monatelangem Verhandlungspoker überraschend den Verkauf seines deutschen Tochterunternehmens an den Autozulieferer Magna International und plant, selbst zu sanieren. Falls es keine Einigung mit den Beschäftigten gibt, schließt GM eine Opel-Insolvenz nicht aus.
    4. November: Die Politik reagiert empört auf die Entscheidung von General Motors, die Tochtergesellschaft Opel zu behalten.
    5. November: An allen deutschen Standorten machen die 25.000 Beschäftigten ihrer Wut über den US-Mutterkonzern Luft und legen zeitweise die Arbeit nieder. General Motors plant, nach Möglichkeit keine finanzielle Unterstützung des Staates für das deutsche Tochterunternehmen zu verlangen.
    6. November: GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster verlässt den Konzern.
    7. November: Nach dem geplatzten Opel-Deal stehen mögliche Staatshilfen für General Motors im Fokus.
    9. November: Die EU-Kommission erwägt die Einberufung eines Ministertreffens zur Zukunft von Opel.
    10. November: Der GM-Manager Nick Reilly wird übergangsweise Chef von Opel/Vauxhall. Opel-Chef Hans Demant bleibt Vorsitzender der Geschäftsleitung der deutschen GmbH.
    11. November: Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums braucht GM für die Sanierung des deutschen Autobauers Opel 3,3 Milliarden Euro.
    13. November: General Motors will doch Staatshilfen zur Sanierung seiner Tochter Opel.
    14. November: Der Opel-Mutterkonzern verlegt seine Europa-Zentrale bis Jahresende nach Rüsselsheim.
    16. November: Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) gerät wegen seiner Ablehnung von Staatshilfen für Opel in die Kritik der Bundesländer.
  • Standortschließungen und Entlassungen
    19. November: Opel dementiert Bericht über einen Verzicht von GM auf Standortschließungen.
    23. November: Nach heftigem Streit über die Zukunft von Opel wollen die betroffenen EU-Länder künftig gemeinsam mit dem Mutterkonzern General Motors verhandeln.
    24. November: Reilly kündigt den Erhalt der Standorte Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern an.
    25. November: Auch Eisenach ist gerettet. Die Opel-Beschäftigten in Deutschland trifft die Hauptlast des Stellenabbaus bei der Sanierung des Autobauers: Etwa 4500 bis 5400 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden.
    30. November: Der Autobauer Opel gehört wieder vollständig General Motors.
    1. Dezember: General-Motors-Chef Fritz Henderson tritt nach acht Monaten im Amt zurück.
    2. Dezember: Der als harter Sanierer bekannte GM-Verwaltungsratsvorsitzende Ed Whitacre übernimmt vorerst das Ruder beim US-Hersteller.
    12. Dezember: Die GM-Europa-Zentrale zieht nicht nach Rüsselsheim um, sondern wird aufgelöst.
    8. Januar 2010: Opel-Chef Hans Demant muss seinen Posten an der Spitze des Autobauers räumen.
    15. Januar: Reilly übernimmt offiziell das Steuer bei Opel.
    21. Januar: Das Opel-Werk in Antwerpen mit seinen 2400 Mitarbeitern wird noch 2010 geschlossen.
    22. Januar: Der Opel-Betriebsrat ruft die europäischen Mitarbeiter zu Protesten gegen die angekündigte Werksschließung auf.
    09. Februar: Opel-Konzernchef Reilly stellt den Sanierungsplan vor. Danach sollen in Europa 8300 Stellen wegfallen. Allein in Deutschland werden demnach 3911 Jobs gestrichen.
  • Ringen um Staatshilfe und Imagekorrektur
    2. März 2010: Nach anhaltender Kritik verdreifacht GM seinen Beitrag zur Opel-Sanierung auf 1,9 Milliarden Euro. Gleichzeitig verlangt der Autobauer nun weniger Hilfe von den Regierungen.
    21. Mai: Das Opel-Management einigt sich mit den Beschäftigten auf einen Beitrag der Mitarbeiter zum Sanierungsplan.
    25. Mai: Als erstes Bundesland sagt Thüringen Bürgschaften für Opel zu und appelliert an die Bundesregierung, nicht zurückzustehen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) bleibt skeptisch.
    9. Juni: Brüderle lehnt den Antrag auf eine Milliardenbürgschaft des Bundes ab.
    10. Juni: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) berät mit den Regierungschefs der vier Bundesländer mit Opel-Standorten über andere Lösungen. Die Länder sollen nun Bürgschaftsanträge prüfen.
    15. Juni: Die Opel-Länder sagen zwar eine zügige Bearbeitung möglicher Anträge zu, können sich aber nicht auf eine Aufteilung der Kosten einigen.
    16. Juni 2010: Opel und GM ziehen einen Schlussstrich. Auf Staatshilfen soll nun verzichtet und der Autobauer aus eigener Kraft saniert werden.
    23. Juni: Opel-Chef Reilly erklärt, dass er bereits im Jahr 2011 die Gewinnschwelle erreichen will - vor Restrukturierungskosten allerdings. Zudem will er das Image der Marke aufpolieren.
    06. August: Opel verspricht eine lebenslange Garantie für seine Neuwagen - ein Schritt, der für Aufsehen und eine Abmahnung der Wettbewerbszentrale sorgt.
    17. November:GM kehrt an die Börse zurück - und schreibt dank seiner Blitz-Insolvenz bald Milliardengewinne. Wegen der Restrukturierung bleibt die Europa-Tochter Opel aber weiter defizitär. Opel-Chef Reilly rechnet mit 1,4 Milliarden Euro Verlusten für 2010. Der Druck auf Opel im GM-Verbund steigt.
  • Sanierung und neue Verkaufsgerüchte
    25. Februar 2011: Opel gibt seine Zahlen für das Jahr 2010 bekannt. Der Absatz ging um 2,4 Prozent auf 1,21 Millionen Fahrzeuge zurück - was exakt dem Sanierungsplan entspricht. Das Minus fiel mit 1,28 Milliarden Euro geringer aus als erwartet.
    17. März: Überraschendes Stühlerücken bei Opel: Der bisherige Opel-Chef Nick Reilly wechselt an die Spitze des Aufsichtsrats. Neuer Chef in Rüsselsheim wird Karl-Friedrich Stracke, bislang Chefentwickler bei GM.
    09. Juni: Die Opelaner müssen wieder zittern: Medienberichten zufolge soll GM einen Opel-Verkauf überlegen. Die Opel-Führung dementiert, die GM-Manager stellen sich erst Wochen nach den Gerüchten klar hinter ihre Europa-Tochter.
    11. Juli: Einem Zeitungsbericht zufolge peilt Opel für 2012 Gewinne in dreistelliger Millionenhöhe an. Die Marktanteile steigen europaweit leicht an.





 

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