Es geht um die Vorrundenmeisterschaft, und ausgerechnet im so bedeutenden Spiel gegen Verfolger Eisbären Berlin haben die Hannover Scorpions gepatzt - und wie! Der Meister aus der Hauptstadt feierte einen Kantersieg, einen Tag später hielten sich auch die Kassel Huskies schadlos.
Hamburg - Hannovers Trainer Hans Zach verfolgte die letzten Minuten mit versteinerter Miene und musste sich nach der Demütigung auf dem Eis auch noch Schmähgesänge von den Rängen anhören. "Siehst du Hansi, so wird das gemacht", skandierten die mitgereisten Fans der Eisbären Berlin nach dem 7:2-Kantersieg des Meisters bei den Scorpions, die den Hauptrundengewinn in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) eine Woche vor dem Ende nicht mehr selbst in der Hand haben.
"Dass wir sie so platt gemacht haben, gibt uns einen Riesenschub für die Play-offs", sagte Berlins dreifacher Torschütze Constantin Braun euphorisch. Sollte der Titelverteidiger seine letzten vier Spiele (davon drei zu Hause) gewinnen, geht er als Erster in die K.o.-Runde und hätte damit die Teilnahme am Qualifikationsturnier zur lukrativen Champions League sicher.
Der Schock über die Lehrstunde vom Meister saß jedoch tief. "Ab dem zweiten Drittel war Berlin viel stabiler. Sie haben uns gezeigt, warum sie Meister und Pokalsieger geworden sind", sagte Hans Zach, der sich vor allem über das 0:1 durch Frank Hördler bei eigener 5:3-Überzahl ärgerte: "Solche Fehler werden auch in den Play-offs eiskalt bestraft."
Sascha Goc, der die Scheibe in besagter Szene an Hördler verlor, konnte der ersten Niederlage gegen die Eisbären im vierten Saisonduell dennoch etwas Positives abgewinnen: "Vielleicht war es ein Weckruf zur richtigen Zeit." Zumal Hannover im Pokalfinale am Dienstag beim EHC Wolfsburg erstmals in der Clubgeschichte einen Titel gewinnen kann.
So einseitig, wie das Ergebnis es ausdrückt, war die Partie mit Play-off-Charakter nicht. Beide Teams schlugen vor 10.325 Zuschauern in der ausverkauften Hannoveraner Arena ein hohes Tempo an und lieferten sich ein ausgeglichenes erstes Drittel. Ab dem Mitteldrittel übernahm jedoch Berlin das Spielgeschehen und gewann letztlich verdient.
"Wir haben vor allem im Schlussdrittel taktisch sehr gut agiert", lobte Eisbären-Coach Don Jackson, der von einer Vorentscheidung im Kampf um den Hauptrunden-Sieg nichts wissen wollte. Vor allem der geballte Spielplan könnte den Berlinern noch einen Strich durch die Rechnung machen: ab Dienstag stehen für Berlin gegen die Nürnberg Ice Tigers, Adler Mannheim und Frankfurt Lions drei Heimspiele in vier Tagen an.
Die Scorpions haben nach dem Heimdebakel gegen die Eisbären auch ihr zweites Spiel am Wochenende verloren. Hannover unterlag am Sonntag bei Kellerkind Kassel Huskies 1:5. Zwar liegen die Niedersachsen noch mit zwei Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze, allerdings hat Verfolger Berlin zwei Spiele weniger ausgetragen. Damit könnten die Eisbären mit einem Sieg gegen Nürnberg die Hannoveraner erstmals seit Anfang Dezember wieder von Platz eins verdrängen.
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