Wer die Denkfabrik des Internationalen Währungsfonds (IWF) führt, muss auf Explosionen gefasst sein. Olivier Blanchard etwa hatte seinen Hausausweis als neuer Chefökonom kaum eingesteckt, da crashte im September 2008 das Weltfinanzsystem. Kenneth Rogoff kam im August 2001 und geriet nach dem 9/11-Terrorschock gleich auch noch in ein historisches IWF-Desaster: den Bankrott Argentiniens, die bis dahin größte Staatspleite aller Zeiten.

Gita Gopinath, die im Januar die Forschungsabteilung des Währungsfonds übernimmt, sagt, sie erwarte von ihrem neuen Job "eine Erfahrung, die sich durch Rumsitzen in meinem Harvard-Büro schwer nachahmen lässt". Die 46-jährige Inderin mit amerikanischem Pass hat bei Rogoff und dem späteren Fed-Chef Ben Bernanke promoviert. Ihr Faible für das Fach entdeckte sie als Studentin in ihrem Heimatland während der Finanzkrise Anfang der 90er. Seit etlichen Jahren schon zählt sie zu den wichtigsten Forschern auf dem Feld der internationalen Makroökonomie. Dass sie die erste Frau auf dem einflussreichen Posten des Chefvolkswirts sein wird, ist nur ein zusätzliches politisches Signal.

Die Explosionsgefahr in ihrem neuen Job wird davon abhängen, wann und wie der globale Aufschwung endet. Gopinath kann sich auf eine lange Einarbeitungszeit freuen – auch wenn die Alarmsignale vordergründig lauter werden.

Ein Jahrzehnt ist es bald her, dass sich die Weltwirtschaft nach dem Finanzkollaps wieder aufrichtete. Nach einer zuletzt fast ungebremsten Expansion häufen sich jetzt die Turbulenzen. Einen "globalen Wetterumschwung" hat Christine Lagarde, die IWF-Chefin, auf der jüngsten Herbsttagung des Fonds in Indonesien verkündet: "Es gießt nicht, aber es setzt Nieselregen ein."

Dass die Vorhersagen an einem Wendepunkt oft noch zu optimistisch ausfallen, haben Lagardes eigene Experten erst neulich wieder in einer Studie festgestellt: Weniger als 5 Prozent der über 150 nationalen Konjunktureinbrüche des vergangenen Vierteljahrhunderts hatten private und staatliche Prognostiker schon im Frühjahr zuvor angekündigt. Jenseits der handelsüblichen Tableaus für 2019 reden prominente Ökonomen inzwischen vom Knall 2020. Nouriel Roubini, der vor der Weltfinanzkrise als "Dr. Doom" bekannt wurde, warnt gleich vor dem "perfekten Sturm" und einem neuen Megacrash im übernächsten Jahr.

Auch an den Finanzmärkten wächst die Unruhe. Der "Bull/Bear"-Index von Goldman Sachs, der einen Strauß von Konjunktur- und Finanzindikatoren bündelt, um die Gefahr eines großen Börseneinbruchs abzuschätzen, markierte im September den höchsten Stand seit 1969. Anfang Oktober sackte der Dow schon mal um mehr als 1500 Punkte ab.

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