David Rubenstein, Gründer des Private-Equity-Hauses Carlyle, weiß, was reichen Menschen gefällt. Über eine Stunde lang spricht der Chef des Wirtschaftsklubs in Washington, D. C. schon auf der Bühne mit Jeff Bezos. Dann trägt er ihm die Ehrenmitgliedschaft im Klub an. Und jetzt winkt Rubenstein gar seine Helfer auf die Bühne.

Erst bekommt der Amazon-Chef einen historischen Plan der Stadt, wie sie 1791 für den ersten US-Präsidenten Washington entworfen wurde. Dann überreicht Rubenstein eine ledergebundene Ausgabe des allerersten Buchs, das je via Amazon verkauft wurde. "Oh wow!", bricht es aus Bezos heraus: ",Fluid Concepts and Creative Analogies' von Douglas Hofstadter – ihr habt es getroffen! Really cool!"

Rubenstein ist derweil schon damit beschäftigt, noch ein knallrotes Trikot der "Washington Capitals" auszupacken, signiert von dem kompletten Team, das gerade den "Stanley Cup" gewonnen hat, den wichtigsten Eishockeypokal überhaupt. "Bezos" steht selbstverständlich als Spielername hinten drauf.

Dem Charmeschwall liegt kühles Kalkül zugrunde: Washington, D. C. wirbt mit allen Mitteln darum, den derzeit wichtigsten Standortwettbewerb in den USA zu gewinnen: Amazon plant eine zweite Zentrale, zusätzlich zu der bisherigen in Seattle drüben an der Westküste. Bis Ende des Jahres soll die Entscheidung fallen, und niemand anders als Jeff Bezos wird sie fällen.

Mindestens 50.000 Arbeitsplätze locken, der Einzug der Techkultur von der Westküste wäre zudem gleichsam eine ökonomische Zweitgründung der Stadt. Wohlhabend ist D. C. als Politikzentrale Amerikas und des Planeten geworden. Eine globale Unternehmergröße wie Rubenstein ist hier bislang die Ausnahme.

Anti-Trump: Amazon-Chef Jeff Bezos (l.) und Milliardär David Rubenstein, Chef des Wirtschaftsklubs in Washington
Andrew Harrer / Bloomberg

Anti-Trump: Amazon-Chef Jeff Bezos (l.) und Milliardär David Rubenstein, Chef des Wirtschaftsklubs in Washington

Vor allem aber könnten Rubenstein und der ganze alte Bürgeradel Washingtons eine Zusage Bezos' zu einem Fanal schmieden: über die ungebrochene Besonderheit Washingtons, seine Anziehungskraft, als Beleg für den Erfolg der alten Eliten und ihrer Weltsicht.

Als Gegenmittel zu Donald Trump.

Der wirft Amazon vor, Amerikas Händler zu ruinieren, die defizitäre Staatspost zu missbrauchen und sich vor Steuerzahlungen zu drücken. Die "Washington Post", die Bezos gehört, ist für Trump ein Inbegriff jener Medien, die er zu "Feinden des Volkes" erklärt hat.

Die Welt außerhalb Washingtons gruselt sich gelegentlich vor den Tiraden des US-Präsidenten – sie sind bislang jedoch häufig noch ohne schwerwiegende praktische Folgen geblieben. In der Welthauptstadt der Politik ist das anders. Seit dem Tag der Amtsübernahme des 45. Präsidenten der USA lässt sich dort wie unter einem Brennglas beobachten, wie sich eine gespaltene Gesellschaft neu kalibriert und um die Claims kämpft: D. C. sortiert sich in die Lager Trump und Anti-Trump, dazu kommen die unvermeidlichen Opportunisten.

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