Diese Nacht ist anders. Es ist seine Nacht. Endlich. Nico Rosberg tanzt sich die Seele aus dem Leib, das hellblaue Hemd ist nassgeschwitzt, die Musik dröhnt in seinem Kopf. Da steht es. Pink leuchtend an der schwarzen Wand der "Amber Lounge" auf der Grand Prix After Party in Abu Dhabi: "CHAMPION #n1co".

Rosberg schaut immer wieder hin. Komplett berauscht. Seine Frau Vivian, seine Clique, die Schulfreunde, alle sind sie da, seine Manager, der Physiotherapeut, das Formel-1-Team von Mercedes. Endlich der beste Fahrer der Welt. Der Druck der vergangenen elf Jahre, verpufft. Selbstzweifel, die Angst, zu versagen, alles weg. Das Schicksal, der ewige Zweite zu sein. Niemand hatte mehr an ihn geglaubt, nun hat er es allen bewiesen.

Ein zweiter Platz beim letzten Rennen Ende November 2016, dem Abu Dhabi Grand Prix, reichte dem 31-jährigen Nico Rosberg aus, um Weltmeister zu werden. "Ein wahnsinniger Kick, Euphorie pur", sagt er heute. Er feierte seinen Sieg bis zum Morgengrauen.

Am folgenden Tag geht es um 20 Uhr mit dem Flugzeug nach Kuala Lumpur. Jeder Mercedes-Weltmeister muss am Tag eins nach dem Gewinn der Trophäe ins Headoffice des Mineralölkonzerns und Hauptsponsors Petronas in Malaysia, um sich den Mitarbeitern zu präsentieren.

Um 9 Uhr fährt ein Chauffeur Nico Rosberg und seinen Manager Georg Nolte vom Hotel zu den Petronas Twin Towers. Zehn Minuten dauert die Strecke. Sie sitzen auf der Rückbank, fahren über eine der seelenlosen Schnellstraßen, als Nico Rosberg sich räuspert: "Georg, ich muss dir etwas sagen." Der Manager schaut ihn gelassen an, was für ein Thema könnte das jetzt, nach dem Triumph, schon sein? Vertragssachen, PR-Aktionen, irgendeine Nebensächlichkeit. "Ich höre auf", sagt Rosberg. "Das war's."

Nolte schaut den neuen Weltmeister perplex an, kurz vorher hatte er mit ihm noch einen millionenschweren Zweijahresvertrag mit Mercedes unterschrieben. "Wow, Nico, echt jetzt?"

Echt jetzt. Rosberg hat sein Ziel erreicht. "Ich fühle mich einfach erfüllt." Er will selbst entscheiden, "wann es zu Ende geht" und nicht irgendwann ausgemustert werden. Er will das "Gefühl des Höhepunkts" mit in sein "zukünftiges Leben" nehmen. Und dieses Leben soll eines sein ohne den unsagbaren Druck der vergangenen Jahre, ohne das ständige Rasen durch Zeitzonen, ohne die ständigen Jetlags.

Nolte versteht das, er schweigt kurz, dann ist er wieder ganz Manager: "Wir haben jetzt eine Menge Arbeit vor uns." Mercedes würde für die nächste Saison so schnell keinen Ersatzfahrer finden, das wird Ärger geben.

Bankster: Schimmelbusch (o.) rechnet in seinem jüngsten Roman mit der Zunft der Investmentbanker ab. Er war selbst lange einer und hatte dann irgendwann genug.
Annette Hauschild / Ostkreuz

Bankster: Schimmelbusch (o.) rechnet in seinem jüngsten Roman mit der Zunft der Investmentbanker ab. Er war selbst lange einer und hatte dann irgendwann genug.

Up and out. Die Sache bis ins Letzte ausgereizt haben – und weg. Sportler, Unternehmer, Vorstände, Aufsichtsräte – immer häufiger scheiden sie auf dem Zenit ihrer Karrieren aus dem Job aus. Weil es besser nicht mehr werden kann, und auch weil sie genug haben, vom Zynismus des Geschäftslebens, den ewigen Eifersüchteleien oder dem Stillstand um sie herum. So mancher setzt als Schlusspunkt sogar eine harte Abrechnung mit seiner alten Welt.

Die Zeiten, in denen sich mit Geld alles zukleistern ließ und Leute bis zur Selbstaufgabe an ihrem Sessel klebten, sind jedenfalls vorbei. Sich aufreiben? Sich fertigmachen lassen? Nein, danke. Lieber Blow-up statt Burn-out. Der persönliche Wohlfühlfaktor muss stimmen, wenigstens ein bisschen.

Geld als Antrieb reicht nicht mehr, davon haben die meisten eh genug. Prestigeverlust, kein Chauffeur, keine Sekretärin, kein voller Terminkalender mehr – die Aussicht schreckt nur noch überzogen Statusbewusste. Und wo man früher leise ausschied und schwieg, sich mit Non-Disclosure Agreements einen Maulkorb verpassen ließ, geht man heute mit dem alten Arbeitgeber gern mal hart ins Gericht.

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