Fragezeichen haben in Mary Mas Welt nichts zu suchen. Sie ist 36 Jahre alt und ein einziges Statement: schwarzes Kleid von Prada, spitze rote Schuhe von Ferragamo, goldener Ring von Chanel, Uhr von Cartier. Knallroter Lippenstift (Rouge Coco), knallroter Nagellack (Chanel Pirate). Das Nadelstreifenjackett hängt lässig ü̈ber der Stuhllehne, obwohl der Raum auf eiskalt heruntergekühlt ist.

Mary Ma hat studiert, war in den USA, jetzt ist sie Marketingchefin der amerikanischen Firma Bose Automotive in China. Ihr Job: Ihre Landsleute sollen gefälligst Bose-Soundsysteme in ihren teuren Autos verbauen lassen.

Vordergründig ist Mary Ma das perfekte Versprechen für westliche Luxus- und Oberklassemarken. Aber in der Chinesin bewegt sich etwas.

Sehr aufrecht und aufmerksam sitzt Mary Ma am Konferenztisch, der Blick entschlossen, sie will weiterkommen, und deswegen ist sie eine der ersten Teilnehmerinnen der "Brand Academy", eines neuen Marketinginstituts, das geradezu Ungeheuerliches vorhat: zu lernen und zu lehren, wie "Made in China" zu einer eigenen Marke werden kann.

Erfunden haben die Akademie zwei auf den ersten Blick ungleiche Partner: die renommierte Shanghaier Tongji-Universität, deren Professor Zheng Han sagt: "China soll Lifestylewerte liefern." Und die deutsche Luxusmarke Porsche, deren China-Chef Jens Puttfarcken sagt: "Wir wollen diese Zukunft mitgestalten."

Und so stehen Ma, Zheng und Puttfarcken im Zentrum der größten Frage, die sich die Luxusgüterwelt stellt: Emanzipiert sich China, das 1,4-Milliarden-Volk, das täglich noch größer wird, vom dankbaren Allesabnehmer der westeuropäischen Luxusindustrie zum Kreateur, zum stilbildenden Regisseur in der Welt des Wunderschönen und unanständig Teuren – nach dessen Pfeife dann womöglich der Rest der Welt tanzt?

Die Signale immerhin sind eindeutig. Die Millennials und die Generation Z dominieren zunehmend die chinesische Gesellschaft. Auf 330 Millionen schätzt die Private-Equity-Investmentfirma KKR die jungen, neuen Tonangeber – so groß wie die gesamte Bevölkerung der USA. In fünf Jahren sollen es über 500 Millionen sein.

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