Angela Merkel wirkte irritiert. "Was ist ,Angry Birds'?", fragte sie mit Blick auf einen Schriftzug auf dem Bordmonitor. "Das ist ein Spiel", erklärte ihr Gastgeber am Messestand, "falls Ihnen mal langweilig werden sollte!"

Der erste große Auftritt des StreetScooter, vor sieben Jahren auf der Autoschau IAA, ging ein bisschen daneben. Die Bundeskanzlerin kam zwar, wünschte auch viel Erfolg. Doch dieses eigentümliche Gefährt – damals noch ein Pkw – schien ihr nicht geheuer. Nachdem die Sache mit den "Angry Birds" geklärt war und sie Erläuterungen zur Reichweite gehört hatte, nutzte die Kanzlerin die erste Gelegenheit, um selbst außer Reichweite zu gelangen.

Die Deutsche Post aber schloss das Projekt ins Herz. Und gab ein größeres Modell in Auftrag: einen richtigen Transporter für ihre Zusteller, ebenfalls elektrisch.

Es begann eine Liaison wie im Rausch. Schon ein Jahr später waren die ersten Prototypen fertig. Euphorisch übernahm die Post 2014 die ganze Firma, die StreetScooter GmbH, und produziert nun in Serie. Rund 8000 Stück rollen inzwischen über die Straßen – dem Presseecho nach jedes einzelne eine Heldentat.

"So einfach geht Elektroauto", jubelte die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung"; ohne viel Aufwand sei etwas gelungen, was die etablierten Hersteller noch nicht geschafft hätten. "Gelber Weckruf", posaunte der SPIEGEL; mit ihrem Eigenbau blamiere die Deutsche Post die Fahrzeugbranche.

Großkonzern verliebt sich in Start-up und düpiert eine ganze Industrie. Eine Geschichte wie ein Märchen – anrührend, schön zu erzählen. Aber nur teilweise wahr.

Tatsächlich hat sich der Dax-Konzern mit dem StreetScooter ein Projekt aufgeladen, das ihn zunehmend überfordert. Die klassischen Autobauer lagen eben doch nicht nur im Tiefschlaf. Sie bringen jetzt ein ganzes Arsenal von E-Transportern auf den Markt, gegen die das Postmobil bald alt aussehen könnte.

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