Montag, 20. August 2018

Zollstreit - Juncker trifft US-Präsident Trump empfängt den "brutalen Killer"

Es ist nur eine Momentaufnahme vom letzten G7-Gipfel, doch steht sie sinnbildlich für das gegenwärtige Verhältnis zwischen Europa und US-Präsident Donald Trump. Im Streit um Zölle auf Importautos aus der EU will EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker (links) mit Donald Trump (r.) heute sprechen und möglichst auch verhandeln - auf Augenhöhe, wie es heißt. Merkel und Macron (im Hintergrund) werden sich genau berichten lassen.

Im Streit um drohende Sonderzölle für die europäische Autoindustrie trifft EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker heute US-Präsident Donald Trump. Hat Juncker, den Trump mal als "brutalen Killer" titulierte, überhaupt etwas zu verhandeln? Was will Trump? Für die europäische Autoindustrie geht es um viel. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Kann US-Präsident Donald Trump noch davon abgebracht werden, Sonderzölle auf europäische Autoimporte zu erheben? EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wird an diesem Mittwoch im Weißen Haus versuchen, was etliche mittlerweile für aussichtslos halten. Es geht um zu viel, als dass man auch nur eine Chance ungenutzt lassen sollte, lautet allerdings das Motto des Luxemburgers. Nutzt es Juncker, dass Trump ihn als "brutalen Killer" ansieht? Fragen und Antworten zum eskalierenden Handelsstreit im Überblick:

Worum geht es bei dem Treffen?

Letztendlich wohl um nichts weniger als die Frage, ob ein echter Handelskrieg zwischen der USA und der EU noch abgewendet werden kann. Sollte Trump wie angedroht auch Sonderzölle auf Autoimporte einführen lassen, dürfte die EU wohl erneut zurückschlagen. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström hat bereits deutlich gemacht, dass die Vergeltungsmaßnahmen dann ein ganz anderes Ausmaß haben würden als diejenigen, die in Reaktion auf die US-Sonderzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte beschlossen wurden. Von letzteren seien nur EU-Exporte im Wert von 6,4 Milliarden Euro pro Jahr betroffen, sagte sie in der vergangenen Woche. Bei Autos und Autoteilen gehe es um Ausfuhren im Wert von 50 Milliarden Euro pro Jahr.

Trump begründet seine Zolldrohungen mit angeblich unfairen Handelspraktiken der EU. Ist da etwas dran?

Bei Autos erheben die USA tatsächlich deutlich niedrigere Importzölle als die EU - zumindest im Pkw-Segment. Hier verlangen die Europäer rund 10 Prozent, die Amerikaner lediglich 2,5 Prozent. Allerdings liegen die US-Einfuhrzölle für leichte Nutzfahrzeuge - dazu zählen Pick-up-Trucks und viele größere SUV - bereits seit Jahrzehnten bei 25 Prozent. Gerade solche Fahrzeuge sind bei US-Kunden sehr beliebt und dominieren die Verkaufslisten.

Und wie sieht es bei anderen Produkten aus?

Im Schnitt sind die EU-Importzölle eindeutig höher als die der USA. Nach Berechnungen des Ifo-Instituts, das die Zölle für mehr als 5000 Produkte verglich, liegt der ungewichtete Durchschnittszoll der EU bei 5,2 Prozent, jener der USA hingegen bei nur 3,5 Prozent. Bei 48 Prozent aller Produkte verlangt die EU demnach einen höheren Zollsatz als die USA, nur bei 30 Prozent ist das Umgekehrte der Fall. "Die EU ist keineswegs das Paradies für Freihändler, für das sie sich gerne hält", kommentiert Ifo-Experte Gabriel Felbermayr.

Was sagt die EU dazu?

Sie räumt ein, dass auf Importe in die EU im Schnitt höhere Abgaben fällig werden, spielt die Unterschiede allerdings herunter. Handelskommissarin Malmström argumentiert zudem, dass das Gesamtbild betrachtet werden müsse. So hätten die USA beispielsweise im Bereich der Dienstleistungen einen Handelsüberschuss gegenüber der EU.

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