Mittwoch, 27. Juli 2016

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Volkswirte streiten über Terrorfolgen IfW: Auswirkungen der Anschläge auf Konjunktur gering

Einkaufszentrum in Paris: Volkswirte sind uneins, ob die jüngsten Terroranschläge die Konjunktur ausbremsen werden

Die Terroranschläge von Paris werden allenfalls geringe Auswirkungen auf die Konjunktur haben, glaubt das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Die Kollegen vom DIW in Berlin sehen die Lage jedoch ganz anders.

Wenige Tage nach den verheerenden Anschlägen von Paris hat eine Debatte über die ökonomischen Folgen des Terrors begonnen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hält die Auswirkungen für überschaubar: "Unmittelbar werden die jüngsten Terroranschläge nach unsere Einschätzung die konjunkturelle Dynamik allenfalls geringfügig beeinflussen", sagte der Leiter des IfW-Prognosezentrums Stefan Kooths manager-magazin.de.

Kooths verwies darauf, dass es auch nach dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" im Januar keine ausgeprägten Anzeichen für eine konjunkturelle Belastung gegeben habe - weder in Frankreich oder in Deutschland, noch im übrigen Euroraum. Ob das auch diesmal so sei, hänge allerdings davon ab, ob sich die Sicherheitslage als Folge der Anschläge über Frankreich hinaus verschlechtere, schränkte Kooths ein. "Daher kann dies nur eine vorsichtige vorläufige Einschätzung sein."

DIW befürchtet "signifikanten Schaden für die Wirtschaft"

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, sieht dagegen einen "signifikanten" Schaden auf die Wirtschaft zukommen. "Die Anschläge könnten zu einem Vertrauensverlust von Unternehmen und Konsumenten führen, und damit die wirtschaftliche Erholung in Europa abwürgen", sagte Fratzscher dem "Tagesspiegel".

Er verwies auf die wirtschaftlichen Folgen der Anschläge vom 11. September 2001 und appellierte an die Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten, "dringend ein gemeinsames Signal für eine starke Unterstützung durch ihre Wirtschaftspolitik" zu senden. IfW und DIW zählen zu den renommiertesten Wirtschaftsforschungsinstituten in Deutschland.

Die Aktienmärkte in Europa stützten zumindest bis zum frühen Montagnachmittag eher die vorsichtig optimistische Prognose des IfW: Sowohl der Deutsche Aktienindex Dax Börsen-Chart zeigen als auch der Euro Stoxx 50 Börsen-Chart zeigen notierten bis Montag Mittag leicht im Plus, der französische Leitindex CAC 40 verzeichnete ein moderates Minus von einem Prozent.

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