Samstag, 17. November 2018

Weltwirtschaftsforum Davos beginnt Lob für China, Kritik an Trump

Chinas Präsident Xi Jinping wird heute das Weltwirtschaftsforum offiziell eröffnen

Verkehrte Welt beim Weltwirtschaftsforum? Mit Blick auf die Kernthemen Freihandel und Globalisierung des WEF-Spektakels lobt WEF-Vorstand Philipp Rösler zum Auftakt China und kritisiert den destignierten US-Präsidenten Donald Trump. Auch zeigen sich viele Manager plötzlich überraschend kritisch beim Thema Globalisierung.

Die Herausforderungen der Globalisierung können nach Überzeugung von Philipp Rösler, Ex-Wirtschaftsminister und Vorstand des Weltwirtschaftsforums, nur gemeinsam gelöst werden. "Die Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung ist: globale Kooperation, nicht weniger, sondern mehr", sagte Rösler der Deutschen Presse-Agentur vor dem Auftakt des Forums an diesem Dienstag in Davos.

Ohne direkt auf die protektionistischen Äußerungen des künftigen US-Präsidenten Donald Trump einzugehen, erklärte Rösler: "Wir glauben, dass in einer komplexen Welt einfache, schlichte Antworten wahrscheinlich nicht ausreichend sein werden."

Rösler stellte die Chinesen als gutes Beispiel heraus. Der chinesische Präsident Xi Jinping werde in Davos über die "Globalisierung und die Notwendigkeit für offenen und fairen Wettbewerb" reden. "Es ist ein klares Statement seitens der Chinesen, erstmalig hier mit dem Staatsoberhaupt vertreten zu sein, und dann eine Rede zum Thema Welthandel und Globalisierung zu halten", sagte Rösler. "Und am Freitag ist dann die Amtseinführung in Washington. Es wird sehr spannend sein, das in einem Zusammenhang zu sehen."

Rösler will Trump-Berater treffen

Der Hedgefonds-Manager und Trump-Berater Anthony Scaramucci sei in Davos dabei, sagte Rösler. "Wir werden ihn fragen, was die ersten Maßnahmen in den ersten 100 Tagen sein werden, und wir werden gespannt auf die Antworten sein."

Lesen Sie auch: Wie kaputt ist der globale Kapitalismus?Bis zum Freitag treffen sich etwa 3000 Spitzenpolitiker, Wirtschaftsbosse und Wissenschaftler in dem Schweizer Wintersportort. Kernthema ist die Zukunft von Freihandel und Globalisierung angesichts der jüngsten Erfolge von Populisten.

Die Welt habe sich nachhaltig verändert, meinte Rösler. "Die klassische Aufteilung zwischen Kommunismus und Kapitalismus gibt es in der Form so nicht mehr. Einfach nur so weitermachen wie bisher, das wird nicht funktionieren." Man müsse sich fragen, wie sich eine Marktwirtschaft verändern müsse, wie die Teilhabe am Wachstum für alle möglich gemacht werden könne.

Manager selbst äußern Zweifel an Globalisierung

Zweifel an der Globalisierung haben nach Gewerkschaften, Menschenrechtsorganisationen und Politikern nun auch viele Wirtschaftslenker selbst geäußert. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC unter 1379 Topmanagern aus 79 Ländern, die am Montag in Davos vorgestellt wurde.

Der Rückzug ins Nationale sowie die kulturelle und politische Abschottung nähmen zu, stellten die Autoren fest. Zweifel über den positiven Einfluss der Globalisierung äußerten die Manager demnach insbesondere mit Blick auf die Schließung der Lücke zwischen Arm und Reich (44 Prozent zweifelten daran), bei der Fairness im globalen Steuerwettbewerb (35 Prozent) und bei der Bekämpfung des Klimawandels und der Ressourcenknappheit (28 Prozent). Fast uneingeschränkt positiv wird dagegen weiter die Freizügigkeit von Kapital, Gütern, Menschen und Informationen gesehen.

rei/dpa

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