Samstag, 26. Mai 2018

Modi kritisiert Trump in Davos "Die Kräfte des Protektionismus erheben ihre Köpfe"

Indiens Premier Narendra Modi: "Es fühlt sich an, als ob das Gegenteil von Globalisierung passiert"

13.30 Uhr: Wachsender Protektionismus und mangelnder Wille im Kampf gegen den Klimawandel sind nach Ansicht des indischen Regierungschefs Narendra Modi die größten Gefahren auf der Welt. "Es fühlt sich an, als ob das Gegenteil von Globalisierung passiert", sagte Modi am Dienstag zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums in Davos. "Die Kräfte des Protektionismus erheben ihre Köpfe gegen die Globalisierung." Damit stellte sich Modi deutlich gegen die "Amerika zuerst"-Politik von US-Präsident Donald Trump, der zum Abschluss des viertägigen Treffens in den Schweizer Alpen am Freitag eine Rede halten soll. Trumps Regierung hatte am Montag neue Einfuhrzölle auf Waschmaschinen und Solarpaneele eingeführt.

Auch beim Klimawandel vertritt Modi eine gegensätzliche Position zu Trump, der etwa aus dem Pariser Klima-Abkommen aussteigen will. "Klimawandel ist heutzutage die größte Bedrohung für die Menschheit", sagte der indische Premier. "Wir haben die Natur ausgenutzt." Zwar sprächen alle davon, den Ausstoß schädlicher Emissionen zu senken. Aber nur wenige Regierungen seien willens, klimafreundliche Technologien mit Schwellen- und Entwicklungsländern zu teilen. "Nur wenige helfen."

11.45 Uhr: Ungeachtet des derzeitigen Wirtschaftsbooms ist eine neue Finanzkrise nach Ansicht von Topmanagern nur eine Frage der Zeit. "Wenn Leute zu selbstzufrieden sind, sollte man nervös werden", sagte David Rubenstein, Mitgründer des US-Finanzinvestors Carlyle, am Dienstag in Davos. Dort diskutierte er mit anderen Größen aus der Finanzwelt über die Möglichkeit einer neuen schweren Krise zehn Jahre nach der letzten. "Wir haben die nächste Finanzkrise niemals vermeiden können", sagte Jes Staley, Chef der britischen Großbank Barclays. Das hätten ihn seine Jahrzehnte in der Branche gelehrt. Der US-Ökonom Kenneth Rogoff verwies darauf, dass die Aktienkurse vor allem durch die niedrigen Zinsen auf Rekordstände getrieben worden seien. Das hatte etwa Anleihen weniger interessant für Anleger gemacht. "Wir wissen nicht, was passiert, wenn die Zinsen steigen."

Viel Schnee und strengste Sicherheitsvorkehrungen: So präsentiert sich derzeit Davos zum Weltwirtschaftsfourm

11 Uhr: Norwegens Regierungschefin Erna Solberg hat US-Präsident Trump aufgefordert, sich an der Bewältigung internationaler Probleme wie dem Klimawandel zu beteiligen. "Meine wichtigste Botschaft an den amerikanischen Präsidenten ist, dass wir Vereinigte Staaten von Amerika brauchen, die sich auf dem internationalen Spielfeld bewegen, die sich an der gemeinsamen Arbeit mit Blick auf die globalen Ziele beteiligen", sagte Solberg in Davos. Solberg ist in diesem Jahr eine von sieben Co-Vorsitzenden der WEF-Jahrestagung.

10 Uhr: Donald Trump ist noch nicht da, doch beherrscht er bereits die Diskussion in Davos. Chinas Importzölle seien bisher drei Mal so hoch wie diejenigen der USA, verteidigte der einflussreiche Chef der Investmentgesellschaft Blackstone, Stephen Schwarzman, in Davos die jüngst verhängten Strafzölle. Er verwies dabei auch auf das gewaltige Defizit der USA im Handel mit China, das Trump seit langem stört. "Diese Beziehung muss sich ändern, sie muss angemessen sein", betonte Schwarzman. "Die chinesischen Gesetze ähneln denen der USA aus dem 19. Jahrhundert, so gehen eben Schwellenländer ihren Weg."

Blackstone-Chef Scharzmann
Getty Images
Blackstone-Chef Scharzmann

9.30 Uhr: Post-Chef Frank Appel hat die neuen US-Strafzölle auf Waschmaschinen und Solarmodule kritisiert. Sie würden vor allem die Bürger in den Vereinigten Staaten treffen. "Wenn die USA noch mehr auf Protektionismus setzen, werden die Leute dann eben von anderen Unternehmen kaufen. Die Zeche zahlen am Ende die Angestellten in den USA", sagte Appel in Davos. Um wettbewerbsfähig zu sein, müsse ein Land sich vielmehr öffnen und zunächst kräftig investieren. "Infrastruktur, Bildung, offener Markt: Das ist das Rezept für Erfolg." Appel kritisierte zudem die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump. "Man kann nicht die Steuern senken, wenn man ein gewaltiges Defizit hat." Zuerst müsse der Haushalt in Ordnung gebracht werden.

9 Uhr: Um Geldanlagen voranzubringen, bei denen Anleger ein reines Gewissen haben können, braucht es nach Ansicht von Ex-Bundesbank-Präsident Axel Weber eine Art Gütesiegel. In Davos sagte der der heutige Präsident des Verwaltungsrates der Schweizer Großbank UBS: "Nachhaltige Investments wird man nur mit globalen Standards richtig vorantreiben können." Ziel sei es, die Masse der Anleger zu erreichen. Bereits jetzt gäbe es in der vermögenden Kundschaft "eine recht breite Nachfrage für nachhaltige Investments, vor allem bei jüngeren Anlegern", sagte Weber.

Noch gebe es allerdings keine wirklich allgemeingültige Definition, was nachhaltig sei. Deshalb forderte Weber mehr Transparenz in diesem Bereich. "Es ist notwendig, mehr Transparenz herzustellen. Und nur diese Transparenz und Nachvollziehbarkeit wird sicherstellen, dass mehr Investoren dann auch in diese Produkte investieren."

8.30 Uhr: Papst Franziskus hat die Wirtschaftselite dazu aufgerufen, ihren Beitrag zur Überwindung zwischenmenschlicher und interstaatlicher Konflikte zu leisten. "Die Wirtschafswelt hat gewaltiges Potenzial, um grundlegende Änderungen anzustoßen", schrieb das Kirchenoberhaupt in einer Grußbotschaft für den Gipfel in Davos. Dazu zählten unter anderem die Schaffung neuer Jobs, der Respekt vor Arbeitsgesetzen und der Kampf gegen Korruption. "Wenn wir eine sichere Zukunft erreichen wollen, die den Wohlstand aller zum Ziel hat, dann ist es notwendig, den moralischen Kompass immer auf Norden auszurichten", hieß es in dem Schreiben, das Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson am Montagabend vor Konzernchefs und Spitzenpolitikern in Davos verlas.

8 Uhr: Der Schweizer Alpenort Davos ist seit Dienstag einmal mehr Treffpunkt für die Mächtigen dieser Welt. Zum 48. Treffen des Weltwirtschaftsforums (WEF) diskutieren bis Freitag mehr als 3000 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft unter dem Motto "Für eine gemeinsame Zukunft in einer zerrütteten Welt". Erwartet werden auch Dutzende Staats- und Regierungschefs, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatschef Emmanuel Macron.

In diesem Jahr steht die aufstrebende Wirtschaftsmacht Indien im Fokus. So hält der indische Ministerpräsident Narendra Modi die offizielle Eröffnungsrede (11.00 Uhr); er nimmt zum ersten Mal an der Tagung teil. In den kommenden Tagen will Indien in Davos um Investitionen werben. Von der nationalen Investitionsagentur Invest India hieß es vorab, es gebe eine "deutliche nationale Vision" und einen "starken politischen Willen", um die offenste Volkswirtschaft der Welt zu werden.

Zum Abschluss am Freitag soll US-Präsident Donald Trump eine Rede halten. Das WEF, das 1971 von dem aus Ravensburg stammenden Professor Klaus Schwab ins Leben gerufen worden war, hat sich zum Ziel gesetzt, "den Zustand der Welt zu verbessern". Kritiker werfen der Organisation aber vor, mit dem jährlichen Treffen der Finanz- und Wirtschaftselite die sozialen Spannungen in der Welt noch zu verschärfen.

mit Nachrichtenagenturen

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