Montag, 16. Juli 2018

"Ein Handelskrieg ist gut - und einfach zu gewinnen" Trump zündelt weiter - und versetzt die Welt in Sorge

Stahlarbeiter in den Kalifornien: Trump verspricht mehr US-Jobs durch Strafzölle
Getty Images
Stahlarbeiter in den Kalifornien: Trump verspricht mehr US-Jobs durch Strafzölle

Donald Trump tut, was er am besten kann: Der US-Präsident provoziert - mit weiteren Aussagen zu einem Handelskrieg. Wegen der von ihm kürzlich angekündigten Strafzölle auf Stahl und Aluminiumimporte steuern die Top-Wirtschaftsmächte auf einen globalen Handelskonflikt zu. Europa, aber auch Kanada, Brasilien, Mexiko sowie China kündigten Gegenmaßnahmen an und mahnten Washington zur Zurückhaltung. Die EU-Kommission könnte bereits am kommenden Mittwoch Vergeltungsmaßnahmen einleiten.

Die Drohgebärden beeindrucken Trump kaum. Er verteidigte sein Vorgehen mal wieder via Twitter und zeigte sich von der Aussicht eines "Handelskriegs" unbeeindruckt.

Wenn ein Land viele Milliarden Dollar im Handel mit praktisch jedem Land verliere, mit dem es Geschäfte macht, "dann sind Handelskriege gut - und einfach zu gewinnen", schrieb Trump in dem Kurznachrichtendienst Twitter: "Beispiel: Wenn wir ein 100-Milliarden-Dollar-Defizit mit einem Land haben und sie das ausnutzen, handeln wir nicht mehr - und machen einen Riesengewinn. Es ist so einfach!"

Trump will die Stahlindustrie in den USA mit Strafzöllen auf alle Stahlimporte in Höhe von 25 Prozent abschirmen. Auf Aluminium-Einfuhren sollen zehn Prozent erhoben werden. Damit werden Importe in die USA teurer. Der Stahlmarkt weltweit leidet unter Überkapazitäten und Preisverfall. Hauptverursacher ist China.

Video abspielen
Video anzeigen Video ansehen
Bild: REUTERS

Noch eher Säbelrasseln als echter Konflikt-Auftakt

Zwar halten Ökonomen die direkte Auswirkung der Strafzölle auf den Welthandel für gering. Allerdings nähren sie Unsicherheit. Das dürfte das Geschäftsklima belasten - und zwar stärker in exportorientierten Ländern wie Deutschland als in den USA. Treffen dürften die Importzölle aber zunächst vor allem Verbraucher in den USA. Denn Produkte - zum Beispiel Getränkedosen und Autos - könnten teurer werden, wenn US-Unternehmen dafür ausländischen Stahl und Aluminium verarbeiten. Noch seien Trumps Ankündigungen aber eher ein Scharmützel als der Auftakt eines echten Handelskonflikts, beruhigen einige.

Doch die Furcht vor einem weltweiten Handelskrieg versetzt die Börsen schon jetzt weltweit in Sorge: In Deutschland fiel der Dax am Freitag unter die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten. Auch die restlichen Börsen Europas gingen wegen der Ankündigungen Trumps in die Knie.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH