Samstag, 18. August 2018

Exklusiv - Welt-Handelsindex Trumps Abschottung drückt schon auf den Welthandel

Rivalen um die wirtschaftliche Vormacht in der Welt: US-Präsident Trump (r.) und Chinas Machthaber Xi Jinping

Getty Images

Die Zuspitzung der Konfrontation in den Handelsbeziehungen zwischen den USA und dem Rest der Welt macht sich bereits messbar im Welthandel bemerkbar. Das zeigt der Welt-Handelsindex, den das Kölner Institut für Kapitalmarktanalyse (IfK) regelmäßig berechnet, und den manager magazin online exklusiv präsentiert.

Wie das IfK mitteilt, ging es mit dem Index in den letzten Wochen nach eigentlich schwunghaftem Verlauf merklich abwärts. So fiel der Indikator im Februar von 84,9 Punkten auf 81,5 Punkte zurück. Hauptgrund dafür war neben zyklischen Effekten wie dem chinesischen Neujahrsfest nach Angaben der Ökonomen vor allem die Furcht vor dem Protektionismus, den aktuell der US-amerikanische Präsident Donald Trump propagiert.

"Die jüngsten Aussagen zur nationalen Handelsstrategie seitens der US-Regierung hat viele Marktteilnehmer überrascht und das globale Bild etwas restriktiver werden lassen", sagt Markus Zschaber, Chef der V.M.Z. Vermögensverwaltung aus Köln, die als Mutter des IfK monatlich den Welt-Handelsindex veröffentlicht. Bislang sei der angedrohte Protektionismus von Seiten der USA gegenüber China und der Europäischen Union (EU) lediglich als Rhetorik eingestuft und mehr oder weniger auf die leichte Schulter genommen worden, so Zschaber. Die jüngsten und konkreten Androhungen von Strafmaßnahmen kämen jedoch einer Veränderung der globalen Handelsordnung gleich und verliehen den Geschehnissen eine "ganz neue Qualität", sagt er.

Hintergrund: In immer kürzeren Abständen hat US-Präsident Trump zuletzt Eingriffe seines Landes in den freien Handel mit anderen Staaten für bestimmte Güter und Produkte angekündigt. Vor Wochen verhängte Trump bereits Einfuhrzölle auf Waschmaschinen und Solaranlagen, die vor allem aus China und Südkorea in die USA kommen. In der vergangenen Woche kündigte Trump zudem Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte an. Auch Importautos könnten mit zusätzlichen Abgaben belegt werden, so Trump am vergangenen Wochenende weiter.

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Die Drohungen blieben bei den betroffenen Ländern nicht ungehört. China und Südkorea äußerten bereits ihren Unmut und kündigten an, die Welthandelsorganisation WTO einschalten zu wollen.

"Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie unsere Industrie durch unfaire Maßnahmen getroffen wird, die Tausende europäische Arbeitsplätze gefährden", sagte vergangene Woche auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Protektionismus könne keine Lösung sein, so Juncker. Vielmehr würde die Angelegenheit dadurch nur weiter verschärft.

Der Welt-Handelsindex ...
  • ... fasst alle relevanten Daten aus den vier Logistikwegen Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport zusammen und bietet ein Gesamtbild des Welthandels in einer Zahl.
    Je höher oder tiefer der Index steht, desto besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weißt der Welt-Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Bei Indexständen zwischen 55 und 0 Punkten schrumpft der Warenverkehr.
    Der Welt-Handelsindex wird vom Institut für Kapitalmarktanalyse, einer Tochter der Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Markus C. Zschaber, herausgegeben und monatlich exklusiv auf manager magazin online veröffentlicht. Informationen zum Index gibt es auch unter www.kapitalmarktanalyse.com.

Konkret bereitet die EU offenbar bereits Gegenmaßnahmen vor, sollten die USA bei ihrem harten Kurs bleiben. EU-Experten arbeiten Medien zufolge bereits seit Monaten an einer Liste mit US-Produkten, die als Reaktion auf Abschottungsmaßnahmen mit zusätzlichen Zöllen belegt werden könnten. Zu ihnen könnten unter anderem Bourbon-Whiskey und Harley-Davidson-Motorräder, aber auch in den USA angebaute Kartoffeln oder Tomaten zählen. Daneben dürfte auch die EU mit einer Klage bei der WTO reagieren.

Das IfK in Köln indes warnt davor, die Alarmglocken bereits allzu laut zu läuten. Schließlich befinde sich der Welthandel insgesamt noch in einer grundlegend guten Verfassung. "Die Niveaus sind nach wie vor im expansiven Bereich, bezogen auf den weltweiten Austausch von Waren und Dienstleistungen", sagt Institutschef Zschaber. "Es hat sich derzeit nur die Geschwindigkeit in diesem Nachfrage- und Expansionszyklus reduziert." Das sei derzeit aber noch kein Grund zur Besorgnis, meint Zschaber.

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