Mittwoch, 20. März 2019

Exklusiv - Welt-Handelsindex Trumps Zolldrohungen versetzen Welthandel neuen Stoß

Auto-Verladung in Bremerhaven: Die deutschen Exporte drohen durch Strafzölle der USA dezimiert zu werden.
Getty Images
Auto-Verladung in Bremerhaven: Die deutschen Exporte drohen durch Strafzölle der USA dezimiert zu werden.

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Noch sind sie der Exportschlager Deutschlands - Autos. Doch es hängt ein Damoklesschwert über dem Geschäft: US-Präsident Donald Trump droht damit, Autoimporte aus der EU mit Sonderzöllen zu belegen. Welche dramatischen Folgen das für die Absatzzahlen der hiesigen Hersteller haben könnte, zeigte erst jüngst eine Studie des Münchener Ifo Instituts.

Demnach würden Strafzölle der USA in Höhe von bis zu 25 Prozent, wie sie derzeit zur Debatte stehen, allein die Autoausfuhren aus Deutschland in die USA beinahe halbieren. Deutschlands Autoexporte insgesamt können dadurch um beinahe 8 Prozent dezimiert werden, so das Ifo.

Damit ist klar: Der US-Präsident würde Deutschland mit neuen Zöllen auf Autoimporte wirkungsvoll treffen - und zwar an einem empfindlichen Punkt: Wie erst am heutigen Mittwoch das Statistische Bundesamt mitteilte, sind Kraftfahrzeuge und Autoteile nach wie vor das wichtigste Exportgut der deutschen Wirtschaft. Nach Angaben der Behörde wurden 2018 Kraftwagen und Kraftwagenteile im Wert von 229,7 Milliarden Euro aus Deutschland exportiert. Damit waren diese wie seit dem Jahr 2010 durchgehend Deutschlands wichtigste Exportgüter, so das Amt in Wiesbaden.

Auf den weiteren Rängen folgten Maschinen im Umfang von 193,2 Milliarden Euro und chemische Erzeugnisse im Wert von 117,4 Milliarden Euro. Die wichtigsten Importgüter für Deutschland waren im vergangenen Jahr Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse im Wert von 117,4 Milliarden Euro, gefolgt von Kraftwagen und Kraftwagenteilen und chemischen Erzeugnissen.

Dabei ist das Ringen um die deutschen Autoverkäufe in den USA lediglich ein Mosaiksteinchen im Gesamtkomplex der Handelsstreitigkeiten, die die USA seit der Amtsübernahme Donald Trumps vom Zaun gebrochen haben. Ein weiterer Konfliktherd besteht bekanntlich zwischen den USA und China.

Der Welt-Handelsindex ...
  • ... fasst alle relevanten Daten aus den vier Logistikwegen Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport zusammen und bietet ein Gesamtbild des Welthandels in einer Zahl.
    Je höher oder tiefer der Index steht, desto besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weist der Welt-Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Bei Indexständen zwischen 55 und 0 Punkten schrumpft der Warenverkehr.
    Der Welt-Handelsindex wird vom Institut für Kapitalmarktanalyse, einer Tochter der Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Markus C. Zschaber, herausgegeben und monatlich exklusiv auf manager-magazin.de veröffentlicht. Informationen zum Index gibt es auch unter www.kapitalmarktanalyse.com.

Wie sehr sich die Unruhe auf der handelspolitischen Weltbühne bereits konkret auf die Realwirtschaft auswirkt, zeigt der Welt-Handelsindex des Kölner Instituts für Kapitalmarktanalyse (IfK), den manager-magazin.de regelmäßig exklusiv präsentiert. Den jüngsten Zahlen zufolge ist der Index zuletzt erneut gesunken, auf inzwischen nur noch 73,3 Punkte. Über den Verantwortlichen für diese negative Entwicklung lassen die Fachleute vom IfK keinen Zweifel: Der Handelskrieg wird die dominanteste Rolle für die Zukunft einnehmen, so IfK-Chef und Vermögensverwalter Markus Zschaber. Das globale Konjunktururbild trübe sich deshalb bereits ein, so seine Beobachtung.

Zwar gibt es laut Zschaber auch positive Aspekte, die Hoffnung auf eine Besserung der Gesamtlage im Welthandel machen. Das Handelsabkommen zwischen Europa und Japan etwa, ebenso die robuste Konjunktur in den USA. Zudem lenkt Zschaber den Blick nach China, wo Investitionen in Hochtechnologie gefördert würden sowie der Dienstleistungssektor gestärkt werden solle.

Außerdem setzt der chinesische Staat derzeit eine ganze Reihe an gesamtwirtschaftlichen Stimulationen um, so Zschaber. "Das Maßnahmenpaket umfasst rund 300 Milliarden US-Dollar und wird eine ganze Reihe an positiven Akzenten, nicht zuletzt auch für einen Großteil der Weltwirtschaft, bedeuten", sagt er.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Doch letztlich macht sich auch Zschaber keine Illusionen: "Am Ende wird - ob wir es wollen oder nicht - vieles von Donald Trumps Launen in Washington abhängen", sagt er. Besinnt sich die Welt auf die Idee des Freihandels, könnten verbliebene Probleme Schritt für Schritt gelöst werden, so das Fazit des Experten.

mit Material von afp

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