Montag, 19. November 2018

Opposition droht Gläubigern mit Staatsbankrott Goldman Sachs' riskante Wette auf Venezuela

Oppositionelle Demonstranten in Caracas

Es sieht nach einer unwahrscheinlichen Allianz aus: die erzkapitalistische Investmentbank Goldman Sachs an der Seite der in Bedrängnis geratenen sozialistischen Regierung von Venezuela. In der Rolle des Investorenschrecks - ausgerechnet die prowestliche Opposition des Landes.

Goldman Sachs hat jüngst eine große Wette darauf platziert, dass die Führung um Präsident Nicolas Maduro weiterhin zu ihrem Wort steht, trotz aller Not die Schulden korrekt zu bedienen. Weil viele Anleger daran zweifeln, ist das ein sensationelles Geschäft.

Die Investmentbank hat für den Spottpreis von 865 Millionen Dollar Schuldscheine des staatlichen Ölkonzerns PDVSA erworben, deren Nennwert 2,8 Milliarden Dollar beträgt. Diesen Betrag kassiert Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen zur Fälligkeit im Jahr 2022, wenn die Verträge eingehalten werden - plus die zwischenzeitlichen Zinsen. So winkt eine garantierte jährliche Rendite von 40 Prozent. Wo gibt es heute noch solche Kapitalerträge?

Allerdings kann dabei viel schiefgehen. Das vom niedrigen Ölpreis Börsen-Chart zeigen geplagte Land steht dauernd am Rand der Zahlungsunfähigkeit. Die Regierung zahlt einen hohen Preis, um die Gläubiger - zunehmend China mit durch Öl besicherte Kredite - nicht zu enttäuschen. Sie fürchtet das Beispiel Argentiniens, dessen Schuldenschnitt keinen Bestand gegenüber in den USA klagenden Investoren hatte. Der Geldmangel führt bereits zu einer drastischen Einschränkung der Importe, was die Venezolaner am eigenen Leib spüren. Die politische Krise spitzt sich mit teils tödlichen Straßenschlachten zu.

Doch wenn die Opposition, die bereits im - allerdings weitgehend machtlosen - Parlament die Mehrheit besitzt, das sozialistische Experiment beendet, könnten Investoren wie Goldman Sachs erst recht Probleme bekommen.

Parlamentspräsident Julio Borges hat Bankchef Lloyd Blankfein einen geharnischten Offenen Brief geschrieben. Er beklagt, die Bank habe "dem diktatorischen Regime eine finanzielle Rettungslinie gereicht" und suche den "schnellen Dollar im Leid meines Volkes".

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