Sonntag, 18. November 2018

Nafta-Streit beigelegt, Kanada soll mit ins Boot USA und Mexiko beschließen neues Handelsabkommen

US-Präsident Donald Trump spricht am Montag in seinem Oval Office via Telefon mit Mexicos Präsident Pena Nieto

Die Nachbarn USA und Mexiko haben ihre Streitigkeiten zum nordamerikanischen Handelsabkommen Nafta weitgehend beigelegt. Sie wollen damit auch Kanada eine Brücke zum Wiedereintritt in die Gespräche bauen. Die Anleger an den Weltbörsen reagieren erleichtert.

Nach monatelangem Ringen haben sich die USA und Mexiko auf ein neues Handelsabkommen geeinigt. Es soll das bisherige Nafta-Abkommen ablösen, an dem auch Kanada beteiligt ist, und das US-Präsident Donald Trump wiederholt als sehr nachteilig für sein Land kritisiert hat.

"Wir werden den Namen 'Nafta' abschaffen", erklärte Trump. Dieser habe einen schlechten Beigeschmack. Bei der Vereinbarung mit Mexiko handele sich um eine wirklich gute Übereinkunft mit besonderer Bedeutung für die Industrie und die Landwirtschaft. Nach dem Deal mit Mexiko könnten nun auch Verhandlungen mit Kanada starten, wenn der Nachbar denn faire Gespräche wolle. Ein US-Regierungsvertreter sagte, es gebe die Chance, dass es mit Kanada bis Freitag eine Einigung gebe.

Dem US-Handelsvertreter zufolge umfasst das Abkommen mit Mexiko Regelungen unter anderem für die Autoindustrie - so zur Herkunft von Bauteilen sowie zum Lohnniveau der Beschäftigten. Auch seien Vereinbarungen über zollfreien Warenhandel sowie zum Patentschutz biologischer Medikamente getroffen worden.

An der Börse in den USA und Deutschland kamen die Nachrichten gut an. Der Dax schloss mit seinem höchsten Tagesgewinn seit Wochen. Die Einigung beflügelte zugleich den mexikanischen Peso. Zu allen wichtigen Währungen legte der Peso zu. Für einen US-Dollar mussten zuletzt 18,70 Peso bezahlt werden. Am Morgen waren es noch 18,87 Peso gewesen. Im Vergleich zum Morgen sank der Dollar zum Peso um rund ein Prozent. Zudem legten die Kurse mexikanischer Staatsanleihen zu.

Trump hat die seit 1994 bestehende Nafta-Vereinbarung als "Katastrophe" für die USA bezeichnet und wiederholt mit einem Ausstieg gedroht. Nafta benachteiligt laut Trump vor allem die amerikanische Autoindustrie und kostet Arbeitsplätze in den USA.

Trump will umgehend mit Trudeau über Abkommen sprechen

Gespräche mit Kanada über ein neues Abkommen standen am Montag unmittelbar bevor. Trump sagte, er werde umgehend den kanadischen Regierungschef Justin Trudeau anrufen. Laut einem US-Handelsvertreter wurde die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland in Kürze zu Gesprächen in Washington erwartet. Das Außenministerium in Ottawa zeigte sich ermutigt durch die US-mexikanische Einigung, pochte aber auf eigene Interessen.

Trump sagte, die USA könnten nun ein getrenntes Abkommen mit Kanada schließen oder Kanada in die Vereinbarung mit Mexiko einbeziehen.

"Dies ist etwas sehr Positives für die Vereinigten Staaten und für Mexiko", sagte Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto in einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump am Montag. Er wünsche sich, dass Kanada nun ebenfalls beitreten könne und die bilateralen Probleme mit den USA ausgeräumt werden könnten.

Ein Sprecher des kanadischen Außenministeriums sagte, Kanada stehe in regelmäßigem Kontakt mit seinen Verhandlungspartnern und arbeite auf eine neue Vereinbarung hin. Allerdings werde das Land eine neue gemeinsame Übereinkunft nur dann unterzeichnen, wenn sie auch gut für Kanada sei und die Interessen der Mittelschicht berücksichtige. Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer erklärte, das Abkommen werde wahrscheinlich am Freitag dem Kongress vorgelegt und im November unterzeichnet.

rei/Reuters/dpa

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH