Sonntag, 23. September 2018

US-Strafzölle ++ Forscher erwarten "neuen kalten Krieg" mit USA ++ VW warnt vor Eskalation

Volkswagen-Chef Herbert Diess hat für die US-Sanktionen kein Verständnis

Werte Leserinnen und Leser,

US-Präsident Donald Trump hat es wahr gemacht und Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus Europa, Kanada und Mexiko verhängt. Die Entscheidung sorgte bereits am Donnerstagabend beim Treffen der G7-Finanzminister für teils heftige Kritik. Mit unserem Newsblog informieren wir Sie auch heute über den Fortgang des Konflikts.


12.30 Uhr: Lässt sich Europa im Handelsstreit mit den USA auseinanderdividieren? Die Bundesregierung befürchtet die offenbar. Regierungssprecher Steffen Seibert sag, in dieser "schweren Herausforderung" sei eine einheitliche Haltung wichtig und hebt in dem Konflikt die Bedeutung einer geschlossen auftretenden EU hervor.

12.00 Uhr: China hat die von den USA verhängten Strafzölle gegen Europa, Kanada und Mexiko kritisiert. "Viele Länder sind besorgt über den Unilateralismus und Protektionismus der US-Seite", sagte eine Sprecherin des Pekinger Außenamtes am Freitag. "Alle Nationen, insbesondere die großen Volkswirtschaften, sollten sich entschieden gegen Protektionismus in Handel und Investitionen stellen." Auch China liegt mit den USA im Clinch, doch sieht es so aus, als ob die beiden Supermächte sich nicht gegenseitig mit Sanktionen und Strafzölle überziehen werden. Dafür ist China als größter Gläubiger der Vereinigten Staaten einfach zu wichtig für die USA.

11.30 Uhr: Ein wenig mehr Gelassenheit - dazu rät Wirtschaftsforscher Gustav Horn den Europäern im Umgang mit den aktuellen US-Strafzöllen auf Stahl und Aluminium. Die von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle seien nicht besonders wichtig für die europäische und deutsche Wirtschaft. "Dazu ist der Anteil der Stahl-und Aluminiumproduktion an den Exporten in die USA einfach viel zu gering", sagt Chef des gewerkschaftsnahen Wirtschaftsforschungsinstituts IMK. Die Strafzölle dürften die US-Wirtschaft viel stärker schädigen als die europäische, glaubt Horn und warnt ebenfalls, "den Streit nicht (zu) eskalieren lassen".

10.30 Uhr: Der Chef des Stahlkonzerns Salzgitter Börsen-Chart zeigen , Jörg Fuhrmann, hält die direkten Auswirkungen der US-Strafzölle für das eigene Unternehmen derzeit noch für "überschaubar", sagte er dem in Hannover erscheinenden Politikjournal "Rundblick". Gravierender könnten laut Fuhrmann indirekte Effekte sein. Damit bezieht er sich auf die Befürchtung, Stahl aus der Türkei, der Ukraine oder Russland könne statt in die USA nun in Richtung Europa gelenkt werden und den hiesigen Markt überschwemmen.

10.00 Uhr: Auch die Wirtschaftsforscher des Münchner Ifo-Instituts fürchten eine Eskalation des Handelskonflikts mit den USA. "Europa muss sich auf einen neuen kalten Krieg im Handel mit den USA einstellen", sagte Ifo-Handelsexperte Gabriel Felbermayr. "Dieser Handelskonflikt ist eine wirtschaftliche Torheit, auch wenn der volkswirtschaftliche Schaden zunächst begrenzt bleibt. Denn es ist zu befürchten, dass wir erst am Anfang einer Reihe weiterer US-Maßnahmen stehen."

Die Strafzölle verletzten die Regeln der Welthandelsorganisation WTO. Der Wissenschaftler empfahl der EU interne Einigkeit, den Schulterschluss mit den übrigen WTO-Mitgliedern - und bei Bedarf die Drohung, die USA an empfindlicher Stelle zu treffen.

09.00 Uhr: Volkswagen Börsen-Chart zeigen hat nach der US-Entscheidung für Strafzölle auf Stahl und Aluminium vor einer gefährlichen Eskalation gegenseitiger Vergeltungsschritte zwischen den USA und Europa gewarnt. An deren Ende werde es keinen Gewinner geben, erklärte der weltgrößte Autokonzern am Freitag. "Die Erfahrung zeigt: Einseitiger Protektionismus hat langfristig niemandem geholfen." Im Gegenteil würden beide Seiten Schaden nehmen. Die hohen Abgaben auf Stahl und Aluminium nahm Volkswagen mit "Bedauern und Sorge" zur Kenntnis.

08.30 Uhr: Wann genau folgt die Reaktion der EU auf die US-Strafzölle? Wohl erst in einigen Tagen, wie Nicht Bundesaußenminister Peter Altmaier dem Deutschlandfunk am Morgen sagte. Zwar habe die EU ihre Maßnahmen bereits bei der Welthandelsorganisation (WTO) angemeldet. Diese würden nun aber geprüft. "Es wird einige Tage dauern, bis dann die EU rechtlich einwandfrei die Möglichkeit hat, die Maßnahmen zu verhängen." Welche Schritte das im einzelnen sein sollen, "werden wir gemeinsam diskutieren". Den Europäern sei wichtig, die Regeln der WTO einzuhalten. Eine weitere Eskalation müsse verhindert werden.

08.00 Uhr: Die Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und anderen Industrienationen hat die Stimmung an Asiens Aktienmärkten eingetrübt. So gab der japanische Leitindex Nikkei Börsen-Chart zeigen am Freitag um 0,14 Prozent auf 22.171 Punkte nach. Auf Wochensicht bedeutet dies ein Minus von 1,24 Prozent. An Chinas Festlandsbörsen fiel der Leitindex CSI 300 zuletzt um rund 1 Prozent.

07.15 Uhr: Die Strafzölle würden vor allem zuerst die USA selbst belasten, glaubt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Durch die Strafzölle werde "viel volkswirtschaftlicher Schaden angerichtet"; die "schädlichen Auswirkungen" würden "in den USA früher und deutlicher spürbar" als in Europa, betonte Altmaier am Donnerstagabend in den ARD-"Tagesthemen".

Kritisiert die Strafzölle gegen verbündete Europäer: Paul Ryan, einflussreicher Republikaner und Sprecher des Repräsentantenhauses

07.00 Uhr: Kanada reagiert ebenfalls mit Vergeltungszöllen auf die Strafzölle der USA. Auf Güter wie Stahl und Aluminium würden ab dem 1. Juli Zölle von 25 Prozent erhoben, auf weitere Güter wie unter anderem Ahornsirup oder Kaffee 10 Prozent, teilte Premierminister Justin Trudeau mit. Die US-Strafzölle bezeichnete er als "komplett inakzeptabel". Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland erklärte: "Dies ist eine sehr starke Aktion als Antwort auf eine sehr schlechte US-Entscheidung."

6.45 Uhr: Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hat die US-Strafzölle in einem Telefonat mit Donald Trump als "illegal" und als einen Fehler gebrandmarkt. Die Entscheidung verstoße gegen das internationale Handelsrecht, sagte Macron am Donnerstagabend laut Nachrichtenagentur AFP.

6.30 Uhr: Die am Donnerstag von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle gegen enge Verbündete haben das G7-Bündnis der wichtigsten westlichen Industriestaaten in eine tiefe Krisen gestürzt. Beim Treffen der G7-Finanzminister kam es bereits Donnerstagabend (Ortszeit) im kanadischen Whistler zu einer "offenen und ehrlichen" Aussprache zwischen dem deutschen Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) und US-Finanzminister Steven Mnuchin. Vom diplomatischen Wortgeplänkel befreit heißt dies mit anderen Worten: Es hat mächtig gekracht.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat seinem US-amerikanischen Kollegen zum G7-Gipfel in Kanada sehr genau gesagt, was er von den US-Strafzöllen hält

Scholz habe in der 40-minütigen Unterredung deutlich gemacht, dass es um die Souveränität Europas und um eine Frage des Respekts gehe. "Die Europäische Union wird jetzt stark reagieren und auch klug", sagte Scholz in Kanada. "Das ist kein guter Tag für die transatlantischen Beziehungen", betonte Scholz. Die Entscheidung, Schutzzölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte aus der EU und Kanada zu verhängen, überschattet das G7-Treffen im Wintersportort Whistler bei Vancouver massiv.

06.00 Uhr: Donald Trump kassiert für seine Strafzoll-Entscheidung auch Kritik aus dem eigenen Lager. Der Sprecher des Repräsentantenhauses und einflussreichste Republikaner im Kongress, Paul Ryan, erklärte am Donnerstagabend (Ortszeit), er stimme mit der Entscheidung nicht überein. "Die heutige Aktion trifft Amerikas Verbündete, wenn wir mit ihnen zusammenarbeiten sollten, um die unfairen Handelspraktiken von Ländern wie China anzusprechen."

Er kündigte an, sich mit Trump für "bessere Optionen" einsetzen zu wollen, um US-Arbeitern und -Verbrauchern zu helfen. Mehrere republikanische Abgeordnete sprachen sich dafür aus, wichtige Partner weiterhin von den Strafzöllen auszunehmen.

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