Donnerstag, 21. Februar 2019

US-Notenbank reagiert auf Abkühlung Fed deutet Zinspause an, Wall Street feiert

Fed-Chef Jerome Powell, US-Präsident Donald Trump: Die US-Notenbank ist vorsichtiger, weitere Zinserhöhungen sind unwahrscheinlicher geworden

Seit 2015 hat die US-Notenbank den Leitzins Stück für Stück nach oben getrieben. Die Boomzeiten, in denen diese Art von Geldpolitik angezeigt ist, scheinen sich zu verabschieden. Die Devise der Federal Reserve ist nun Geduld. Dow Jones und Nasdaq legen deutlich zu.

Angesichts einer leicht abkühlenden Konjunktur hat die US-Notenbank Federal Reserve ihren Leitzins nach der Januar-Sitzung ihres Offenmarktausschusses erwartungsgemäß nicht erhöht. "Die Gründe für das Erhöhen von Zinssätzen haben sich etwas abgeschwächt", sagte Notenbankchef Jerome Powell am Mittwoch in Washington. Es gebe "wachsende Anzeichen für Gegenströmungen" in der Konjunktur. Das Wachstum in China und Europa zeige Anzeichen für eine Abschwächung. Er warnte vor zu hohen Staatsschulden - die Zinslast könne wichtige andere Ausgaben verhindern.

Die Zurückhaltung der Notenbank mit Blick auf weitere Zinserhöhungen sorgte für neue Käufe an der Wall Street. Dow Jones Börsen-Chart zeigen und Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen legten jeweils deutlich zu, da Anleger nun auf eine längere Zinspause hoffen. Niedrige Zinsen wirken in der Regel als Unterstützung für den Aktienmarkt.

Powell drückte die Hoffnung aus, dass es nicht zu einem ungeordneten Austritt Großbritanniens aus der EU kommt. "Das würden wir spüren", sagte er, vor allem dann, wenn Finanzinstitute ins Trudeln geraten sollten.

Powell hatte wegen der umfangreichen internen und externen Risiken bereits im Dezember für das Jahr 2019 nur zwei Anhebungen in Aussicht gestellt - nach vier Zinserhöhungen im vergangenen Jahr. In der neuen Mitteilung ist kein Hinweis mehr auf Anhebungen enthalten. Stattdessen sagte Powell, die Notenbank werde "Geduld" zeigen.

Zinsen bleiben bei 2,25 Prozent

Die Federal Funds Rate - der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken über Nacht gegenseitig Geld leihen - bleibt damit zunächst in einem Korridor von 2,25 bis 2,5 Prozent.

US-Präsident Donald Trump hatte die Fed mehrmals gemahnt, bei der Normalisierung der Zinsen nicht zu schnell vorzugehen. Die boomende US-Konjunktur hatte zuletzt erste Anzeichen für ein mögliches baldiges Abkühlen gezeigt.

Die Januar-Entscheidung der US-Notenbank hatte auch stark unter dem Eindruck des längsten Regierungsstillstandes in der US-Geschichte gestanden. Den Notenbankern hatten nicht alle sonst verfügbaren Daten zur Verfügung gestanden, weil die Statistikämter nicht gearbeitet hatten. Der "Shutdown" werde "den einen oder anderen Abdruck" in den Statistiken der ersten Jahreshälfte hinterlassen, sagte Powell. Einen permanenten Effekt erwartet er nicht, sollte es nicht zu einem weiteren, gegebenenfalls noch längeren Regierungsstillstand kommen.

Der Stimmungswechsel innerhalb der Notenbank wurde bereits Anfang 2019 deutlich, als zahlreiche Notenbanker der USA ihrer zunehmend vorsichtigen Haltung Ausdruck verliehen. "In einer koordinierten PR-Offensive wurde den Märkten eine Zinspause in Aussicht gestellt", fasst Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner die öffentlichen Äußerungen zusammen. Neben Fed-Chef Jerome Powell gab sich unlängst sein Vertreter Richard Clarida wesentlich zurückhaltender als noch wenige Wochen zuvor.

Die neue Zurückhaltung der Federal Reserve

Fachleute nennen mehrere Gründe für Stimmungsänderung. Zum einen wird auf die zahlreichen politischen Risiken verwiesen, die zuletzt sogar noch größer geworden sind. Zu nennen sind unter anderem der sich hinziehende Brexit, der Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie die politische Krise in Venezuela. Hinzu kommen wichtige wirtschaftliche Faktoren, insbesondere die zunehmende Konjunkturschwäche in der zweitgrößten Volkswirtschaft China. Begleitet wird das bereits ungute Gemisch durch schwankungsanfällige Börsen, die insbesondere Ende vergangenen Jahres einen Einbruch hinnehmen mussten.

Eine weitere Zinsanhebung wird in diesem unwägbaren Umfeld nicht erwartet. Fast alle der gut 90 Ökonomen, die von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragt wurden, rechneten mit einem unveränderten Leitzinsband von 2,25 bis 2,5 Prozent.

Trump setzt Fed unter Druck - und sorgt für Blindflug

Ebenso fraglich ist, wie stark sich die Fed in ihrem absehbaren Kurswechsel von US-Präsident Donald Trump beeinflussen lässt. Offiziell unterstreicht die Notenbank regelmäßig ihre politische Unabhängigkeit. Allerdings wird die seit Mitte 2018 zu vernehmende Kritik Trumps am Zinserhöhungskurs der Fed die Notenbanker nicht komplett kalt lassen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Streit um die Grenzmauer zu Mexiko die Entscheidungsfindung der Notenbank beeinträchtigt: Wegen des einmonatigen Verwaltungsstillstands sind viele Konjunkturdaten nicht veröffentlicht worden, weshalb sich die Fed derzeit im "konjunkturellen Blindflug" befindet.

la/dpa-afx

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