Donnerstag, 24. August 2017

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US-Attacken gegen das deutsche Exportwirtschaftsmodell Trump sei Dank - der wahre Kern des Deutschland-Bashings

US-Präsident Donald Trump während seines Telefonats mit Angela Merkel am 28. Januar im Oval Office.

Deutschland sollte Donald Trump für sein Deutschland-Bashing dankbar sein. Denn Trump befreit uns von einer Lebenslüge: Dass wir als Exportriese und globaler Gläubiger eine rosige Zukunft haben.

Nun haben wir es also offiziell: die neue US-Regierung knöpft sich Deutschland als Handelsgegner vor. Wundern kann es nur den naivsten Beobachter - also vor allem die deutsche Bundesregierung. Seit Jahren nehmen die Spannungen wegen der enormen Handelsüberschüsse zu.

Während wir diese politisch und medial feiern, machen wir damit vor allem eines: Wir entziehen einer Welt, die kollektiv unter Nachfrageschwäche leidet (beziehungsweise dies als Problem formuliert und nicht die Überschuldung verbunden mit Überkapazitäten und Fehlinvestitionen) Kaufkraft. Nichts können die anderen Länder und Regionen weniger gebrauchen. Jeder kämpft für sich alleine gegen die Folgen der ökonomischen Eiszeit.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis uns die einseitige Exportfokussierung auf die Füße fällt. Nun ist es also soweit. Ausgehend von den USA wird der Druck auf uns, unser Wirtschaftsmodell anzupassen, immer größer. Damit rückt auch der Zeitpunkt näher, an dem wir merken werden, dass wir in einer Wohlstandsillusion leben und in Wirklichkeit unsere Exporte und damit die gute Konjunktur mit eigenem Geld bezahlt haben, welches wir zu einem guten Teil abschreiben können. Platzt diese Blase nun, dürfte das Wahljahr 2017 noch spannender werden.

Argumentation wie beim Brexit

Daniel Stelter

Erinnern wir uns: Als einer der ersten Politiker reiste der UKIP-Politiker Nigel Farage nach New York, um dem frisch gewählten Präsidenten zu gratulieren. Farage hatte Donald Trump schon im Wahlkampf unterstützt. Da ist es naheliegend, dass der glühende EU- und Eurogegner seinen amerikanischen Freund entsprechend gebrieft hat zur Lage in Europa.

Wer wissen will, wie die Brexit-Befürworter argumentieren, dem sei vor allem ein Beitrag aus dem englischen Telegraph empfohlen. Darin wird die EU als Vehikel zur Sicherung der deutschen Dominanz in Europa charakterisiert, die dazu dient ,uns einen unfairen Vorteil im Handel zu sichern. Fürchten müsse man nicht den Krieg mit uns, sondern den Handel, so die Schlussfolgerung des Autors.

Genauso argumentiert jetzt der wirtschaftspolitische Berater Trumps. Gefährlich ist dabei, dass er nicht nur den Überschuss im Handel mit den USA beklagt, sondern auch die Überschüsse mit der EU und dem Euroraum. Damit spricht er laut aus, was die anderen Länder Europas noch nicht so laut beklagen. Mit den USA im Rücken werden die Klagen zunehmen und damit die Spannungen in der EU zusätzlich angefeuert.

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