Donnerstag, 17. Januar 2019

Deutsche Unternehmen fordern Zinsen rauf, Herr Draghi!

Wohl keine Zinswende mehr mit Mario Draghi: Der EZB-Chef will mindestens bis Herbst an der Nullzinspolitik festhalten. Draghis Amtszeit läuft im Oktober 2019 aus

Die deutschen Unternehmen fordern mit deutlicher Mehrheit eine Zinserhöhung von der EZB. Zwei Drittel der befragten Firmen sehen Italien als echte Gefahr für die Stabilität der Eurozone. Zugleich aber halten mehr als vier Fünftel der Unternehmen die Euro-Rettungspolitik der vergangenen Jahre für richtig.

Deutsche Unternehmen fordern von der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Zinserhöhung. 62 Prozent der Firmen sprachen sich in einer Reuters vorliegenden neuen Forsa-Umfrage für eine Zinswende in den kommenden Jahren aus. 27 Prozent plädierten für die Fortsetzung der bisherigen EZB-Politik.

Die Umfrage wurde im Auftrag der Beratungsgesellschaft EY, der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und des Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erstellt und soll noch am Montag vorgestellt werden.

Während die Sparer unter der Nullzinspolitik der EZB ächzen und jedes Jahr bei steigender Inflation Milliarden verlieren, spart der Staat Geld. Denn zum einen kommt er wegen so günstiger an Geld, zum anderen verlieren die Forderungen an ihn im Zuge der Inflation an Wert.

Laut Bundesbank belief sich die Zinsersparnis von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen in Europas größter Volkswirtschaft allein im vergangenen Jahr auf 55 Milliarden Euro. Eine veritable Zinssenkung noch unter EZB-Chef Mario Draghi wird nach jüngsten Inflationsdaten indes auch weniger wahrscheinlich

Die Mehrheit der Unternehmen befürchtet zudem eine neue Finanzkrise in der Euro-Zone durch Italien. 68 Prozent sehen die hohe Neuverschuldung des Landes als großes Problem.

Die Euro-Rettungspolitik der vergangenen Jahre, die auch mit übernommenen Haftungsrisiken verbunden war, sehen jedoch 83 Prozent der Befragten positiv. 56 Prozent lehnen es sogar ab, dass Deutschland eigene wirtschaftspolitische Interessen stärker gegen die EU-Partner durchsetzen sollte.

Als größte Risiken in Europa sehen die Betriebe den fehlenden Zusammenhalt in der EU, den Brexit, die Finanzpolitik und die Migration. 68 Prozent der Befragten gaben an, dass sie für ihre Unternehmen gar keine Auswirkungen des Brexits erwarten. Insgesamt sehen aber 65 Prozent Nachteile für Deutschland.


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Julie Linn Teigland von EY bezeichnete das Ergebnis der Umfrage als "erfreuliches Signal" für Europa. "Die deutschen Unternehmen stehen fest zu Europa und haben Vertrauen in die europäische Idee und die europäischen Institutionen." Forsa hatte nach eigenen Angaben vom 22. November bis 7. Januar Führungskräfte von 400 privaten Unternehmen befragt.

rei mit Reuters

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