Montag, 25. März 2019

Lira-Crash Erdogan und der globale Finanzkapitalismus

Türkischer Präsident Erdogan: Mit Volldampf in die Krise
AP/ Presidential Press Service
Türkischer Präsident Erdogan: Mit Volldampf in die Krise

2. Teil: Kurzsichtigkeit, Hybris und andere Gebrechen

Kurzsichtigkeit, Hybris und andere Gebrechen

Dass die aktuellen Schuldenprobleme der Schwellenländer sich lange und deutlich sichtbar abzeichneten, offenbart eine bemerkenswerte Kurzsichtigkeit, verbunden mit einem gehörigen Schuss Opportunismus:

Aus Sicht der Kreditnehmersicht waren die Zinsen ja so schön niedrig: Warum nicht die fantastischen Finanzierungsbedingungen nutzen?

Die Gläubiger suchten händeringend nach Anlagemöglichkeiten, die mehr abwarfen als die im Westen üblichen homöopathischen Renditen: Warum nicht das eine oder andere Risiko eingehen?

Regierungen und Notenbanken in Schwellenländern wie der Türkei mochten den Boom nicht stoppen: Warum die Chance verstreichen lassen, auf ein höheres Wohlstandsniveau zu kommen?

Die westlichen Notenbanken ignorierten weithin die globalen Nebenwirkungen ihrer beispiellosen Geldflut: Warum Rücksicht nehmen auf andere Volkswirtschaften, wenn EZB, Fed und Co. doch per Gesetz nur ihre jeweiligen Länder zuständig sind?

Und dann ist da natürlich auch noch Präsident Erdogan, dessen Allmachtsanspruch, auch in Gelddingen, inzwischen die finanzielle Glaubwürdigkeit seines Landes unterminiert.

All das zeigt: Der globale Finanzkapitalismus braucht strikte globale Regeln. Auf die Selbstverantwortung der einzelnen Akteure zu setzen, genügt nicht. Geld sollte knapp sein, Kapitalströme sollten nachhaltig sein und nationale Spielräume im Zweifel beschränkt.

Es ist genau jene Form von globaler Finanzpolitik, die Nationalpopulisten wie Erdogan und Trump von Herzen ablehnen.

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