Dienstag, 20. November 2018

Vestel statt iPhone Erdogan droht USA mit Boykott elektronischer Produkte

Türkischer Präsident Erdogan: Samsung oder Vestel statt iPhone

Im Streit mit den USA verschärft Präsident Recep Tayyip Erdogan seinen Konfrontationskurs. Als Reaktion auf US-Handelsbeschränkungen kündigte er an, dass die Türkei elektronische Produkte aus den USA boykottieren werde. Die USA hätten iPhones, doch "auf der anderen Seite" gebe es Samsung, sagte Erdogan am Dienstag im türkischen Fernsehen mit Bezug auf den US-Handyhersteller Apple und den südkoreanischen Konkurrenten. Außerdem habe die Türkei ihren eigenen Hersteller Vestel. Es sei wichtig, an "unserer entschiedenen politischen Haltung" festzuhalten, sagte Erdogan weiter.

US-Präsident Donald Trump hatte wegen der Inhaftierung eines amerikanischen Pastors die Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei um 25 Prozent auf 50 Prozent erhöht. Daraufhin kam es sowohl bei der türkischen Lira als auch bei der Börse in Istanbul zu heftigen Kursabfällen.

Hintergrund des Streits zwischen den USA und der Türkei sind zwei Geistliche: Washington fordert die Freilassung des US-amerikanischen Pastors Andrew Brunson, der wegen des Verdachts auf Spionage und Terrorvorwürfen in der Türkei unter Hausarrest steht. Ankara wiederum verlangt bisher vergeblich die Auslieferung des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen, den Erdogan für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht.

Erdogan erklärte vor dem Hintergrund der Talfahrt der türkischen Lira und Kursverlusten am türkischen Aktienmarkt, alle notwendigen Maßnahmen in Bezug auf die Wirtschaft seien ergriffen worden. Die Lira hatte heute Morgen leicht zugelegt, nachdem am Vortag die Zentralbank und andere Regierungsbehörden erste Notfallmaßnahmen gegen den rasanten Lira-Verfall ergriffen hatten. Außerdem will Finanzminister Berat Albayrak am Donnerstag per Telefonkonferenz mit Investoren unter anderem aus den USA und Europa sprechen.

mg/rtr, dpa-afx, afp

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH