Samstag, 18. August 2018

Teuerung in Türkei steigt auf mehr als 12 Prozent Inflation wird für Erdogan zum Risiko

Staatspräsident Erdogan bei einer Ansprache zum Fastenbrechen im Präsidentenpalast im Mai
Pool Presdential Press Service/AP/dpa
Staatspräsident Erdogan bei einer Ansprache zum Fastenbrechen im Präsidentenpalast im Mai

Die Inflation in der Türkei setzt sich über der 10-Prozent-Marke fest. Im Mai lag die Teuerung gegenüber dem Vorjahresmonat bei 12,15 Prozent, teilte das türkische Statistikbüro Tüik am Montag mit. Im April hatte die Inflation noch deutlich tiefer bei 10,85 Prozent gelegen.

Damit entwickelt sich die Inflation zunehmend zu einem wesentlichen Faktor bei den anstehenden Wahlen: Am 24. Juni werden in der Türkei erstmals gleichzeitig das Parlament und der Präsident gewählt. Umfragen zufolge ist die Lage der Wirtschaft das Thema, das die Wähler am meisten umtreibt. Dass Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan (64) im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit erzielt, gilt als unsicher. Dann stünde am 8. Juli eine Stichwahl an.

Mit 12,15 Prozent hat die Inflation in der Türkei den höchsten Stand seit November erreicht. Getrieben werden die starken Preissteigerungen nach Einschätzung von Experten durch die seit Monaten anhaltenden Kursverluste der Landeswährung Lira, die Treibstoff und andere Importe verteuern. Im Mai war der Kurs der Landeswährung zum US-Dollar und zum Euro jeweils auf ein Rekordtief gefallen.

Börsianer gehen nun davon aus, dass die türkische Zentralbank den Leitzins im Zuge ihrer Beratungen am Donnerstag erneut anheben wird, was indirekt den Wert der eigenen Währung steigern könnte - aber eben auch die Kredite verteuern würde. Erst Ende Mai hatte sie den Satz nach einer Krisensitzung um drei Prozentpunkte auf 16,5 Prozent angehoben.

Staatspräsident Erdogan ist ein entschiedener Gegner von Zinserhöhungen. Für den Fall seines Wahlsieges stellte er eine stärkere Kontrolle der Geldpolitik in Aussicht.

Tatsächlich verfingen die Spekulationen um eine erneute Zinserhöhung am Montag bereits. Kurzzeitig stieg die Lira auf 4,59 Lira je Dollar, bevor sie auf 4,63 nachgab. Der Euro verbilligte sich um 0,8 Prozent auf 5,38 Lira.

cs/afp/Reuters/dpa

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