Freitag, 14. Dezember 2018

Trumps Wahlsieg als politische Disruption Was Trump mit Apple und Uber gemein hat

Ego mit Faktor 100: Trump ist der disruptive Störer. Ob das gut oder schlecht ist, werden die nächsten Jahre zeigen. Doch Innovation beginnt genauso - in der Wirtschaft wie in der Politik

Jens-Uwe Meyer
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    Dr. Jens-Uwe Meyer ist Geschäftsführer der Innolytics GmbH. Mit neun Büchern (u.a. "Radikale Innovation", "Digitale Disruption") und mehr als 100 Fachartikeln ist er einer der engagiertesten Innovationsvordenker im deutschsprachigen Raum. Er berät mittelständische Unternehmen und Konzerne.
    www.jens-uwe-meyer.de

Und wieder wird geheult. "Trump ist eine Katastrophe", "Trump ist ein Frauenfeind", "seine Pläne sind von gestern". Doch es hilft nichts: Dieser Mann wird der nächste Präsident der Vereinigten Staaten. Nach dem Brexit im Sommer ist das schon der zweite Schock im politischen System.

Natürlich kann man erst die Briten, dann die Amerikaner und künftig alle, die gerade bei Wahlen merkwürdig abstimmen, für verrückt erklären. Doch ein Trend ist nicht zu übersehen: Was in der Europäischen Union und den USA gerade stattfindet, ist politische Disruption. Innovation in ihrer brutalsten Form.

Drei positive Effekte von Trumps Wahlsieg

Stellen wir uns einmal vor, die Briten wären in der EU geblieben und Hillary Clinton wäre US-Präsidentin. Was hätten wir erlebt? Gefälliges Schulterklopfen. Keinerlei Veränderungsdruck. Das politische System der USA, das ZDF-Korrespondent Johannes Hano gerade in der eindrucksvollen Reportage "Die gekaufte Demokratie" beschrieben hat, hätte weitergemacht wie bisher. Hillary hätte ihre Großspender angerufen, wahrscheinlich einen Banker von Goldman Sachs zum Finanzminister gemacht und alles wäre gemütlich weitergegangen.

Kein Wunder, dass gerade die Aktienmärkte nervös reagierten. Wer sich Hillarys Spenderliste anschaut, weiß warum. Im Prinzip ist das, was in der Politik gerade passiert, vergleichbar mit disruptiver Innovation in der Wirtschaft, wie ich sie meinem Buch "Digitale Disruption" beschreibe. Unternehmen wie Regierungen neigen dazu, sich auf ihren Erfolgen auszuruhen. Sie ignorieren Veränderungen selbst dann noch, wenn offensichtlich ist, dass die von ihnen geschaffenen Strukturen Dinosaurier sind, seien es nun Geschäftsmodelle oder politische Systeme. Unabhängig davon, wie man zu Donald Trump steht - in meiner letzten Meinungsmache habe ich klargestellt, was ich von seinen Wirtschaftsplänen halte hat seine Wahl einige positive Effekte:

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