Donnerstag, 19. Oktober 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Trumps Wahlsieg als politische Disruption Was Trump mit Apple und Uber gemein hat

Ego mit Faktor 100: Trump ist der disruptive Störer. Ob das gut oder schlecht ist, werden die nächsten Jahre zeigen. Doch Innovation beginnt genauso - in der Wirtschaft wie in der Politik

4. Teil: 3. Endlich Innovation in der Politik!

Die Diagnosen, mit denen Trump seine Wähler gewonnen hat, sind vielfach richtig. Ein kaputtes politisches System, eine vergessene Mittelklasse. Doch selbst wenn man der Diagnose folgt, muss man Trumps Therapievorschläge nicht lieben. Eines allerdings ist offensichtlich: Vom wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre haben vor allem die Eliten profitiert.

Iowa, Wisconsin und Michigan unterscheiden sich nicht wesentlich von Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Teilen des Ruhrgebiets. Dort leben Menschen, die jahrelang schlichtweg ignoriert wurden. Hat sich jemals jemand ernsthaft an geringer Wahlbeteiligung gestört? Trump hilft uns vielleicht, bei uns dem vorzubeugen, was in den USA gerade passiert.

Unternehmen, die ihre Kunden systematisch ignorieren, verschwinden über kurz oder lang. Politische Parteien können nicht pleitegehen. Trump hat die wirtschaftlichen Verlierer der vergangenen Jahre gewonnen. Die kommenden Jahre werden neue Verlierer produzieren. Wenn - wie es in einer Reihe von Studien heißt - 40 Prozent der Arbeitsplätze durch Digitalisierung gefährdet sind, muss sich die Politik dringend Gedanken darüber machen, wie sie mit diesen Verlierern umgeht.

Zu den Befürwortern eines bedingungslosen Grundeinkommens gehören heute nicht etwa nur linke Träumer, sondern Menschen wie der Telekom-Vorstandsvorsitze Timotheus Höttges. Trump zeigt uns, was passiert, wenn man die Verlierer einfach vergisst. Daher könnte sein Wahlsieg positive Effekte für die deutsche und die europäische Politik haben. Politik muss sich radikal neu erfinden. Nicht mit kleinen Veränderungen, sondern richtig.

Jens-Uwe Meyer ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH