Montag, 25. September 2017

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Was Trumps Forderung wirklich bedeutet Amerikaner, kauft nicht bei Walmart!

Walmart in Peking: Experten taxieren den Anteil von China-Waren bei Walmart auf 70-90 Prozent - auch in USA

"Buy American" - das hat Donald Trump den US-Bürgern in seiner Antrittsrede ans Herz gelegt. Wenn Sie dem Rat folgen, hat Walmart ein Problem.

Wolfgang Hirn

Es ist das größte Unternehmen der Welt: Walmart macht fast 500 Milliarden Dollar Umsatz, hat über 2,3 Millionen Beschäftigte und betreibt knapp 12.000 Läden in aller Welt. Allein in den USA hat der Handelskonzern über 3700 Filialen. Fast jede Stadt und jedes Städtchen dort hat an seinen Ausfallstraßen oder auf der nahen grünen Wiese einen Walmart. Das sind gigantische Konsumtempel, die nahezu alles bieten, was der amerikanische Konsument braucht - von Chips bis zum Baseballschläger.

Doch nun droht dem US-Konzern große Gefahr. Und zwar nicht - wie bisher - vom Online-Konkurrenten Amazon Börsen-Chart zeigen , sondern vom neuen Präsidenten des Landes, der in seiner Antrittsrede vergangenen Freitag an seine Landsleute die Parole ausgab: "Buy American".

Würden sie Trump beim Wort nehmen, dürften die Amerikaner fast keine Waren mehr bei Walmart kaufen dürfen. Denn - und das gilt vor allem für den Non-Food-Sektor - ein hoher Anteil der verkauften Waren bei Walmart kommen aus dem ihm so verhassten China. Experten taxieren den Anteil von China-Waren bei Walmart auf zwischen 70 und 90 Prozent.

Trumps Forderung "Buy American" heißt also im Umkehrschluss: "Don't Buy at Walmart". Das sagt Trump natürlich nicht. Aber das ist die Konsequenz seines schlichten wirtschaftlichen Weltbildes, das die über Jahrzehnte entstandenen transnationalen Wertschöpfungsketten ausblendet. Der Fall Walmart ist das beste Beispiel, wie simpel sich Trump Wirtschaften vorstellt.

Globale Einkaufzentrale von Walmart steht seit Jahren in Shenzhen

Zunächst gilt festzuhalten: Niemand hat hier den USA etwas gestohlen, wie Trump so gerne formuliert. Kein Chinese hat dem Walmart-Management die Pistole auf die Brust gesetzt und gefordert: Ihr müsst bei uns produzieren und einkaufen. Das war eine freiwillige unternehmerische Entscheidung der Walmart-Konzernspitze. Sie hat schon vor vielen Jahren ihr Global Sourcing Center, also die Einkaufszentrale, nach Shenzhen, der südchinesischen Metropole gegenüber von Hongkong, verlagert. Von dort aus steuern über 2000 Leute den Einkauf von Millionen Produkten aus tausenden chinesischen Fabriken.

Natürlich produzieren diese günstiger als amerikanische. Aber Lohngefälle hat es aufgrund unterschiedlicher Entwicklungsniveaus zwischen Nationen immer gegeben. Und außerdem hat die Industrialisierung Chinas vielen Chinesen Jobs und Wohlstand gebracht. Viele von ihnen trinken inzwischen Coca-Cola und Kaffee bei Starbucks Börsen-Chart zeigen , essen bei Kentucky Fried Chicken, kaufen iPhones von Apple Börsen-Chart zeigen und Autos von General Motors Börsen-Chart zeigen.

Will heißen: Auch die USA profitieren von Chinas Aufstieg. Aber das will Trump nicht hören oder nicht verstehen.

Viele Waren bei Walmart würden sich drastisch verteuern

Er will, dass Walmart und die anderen fahnenflüchtigen Unternehmen künftig wieder in den USA einkaufen oder im Falle der Zuwiderhandlung Strafe in Form von Steuern oder Zöllen zahlen. Weil es viele der Konsumgüter-Industrien aber in den USA schon lange nicht mehr gibt, fällt die erste Variante nahezu aus. Bleiben also Strafzölle. Für Walmart, aber auch die amerikanischen Verbraucher eine fatale Entwicklung. Dann wäre es mit dem jahrzehntealten Slogan "Everyday Low Price" vorbei, mit dem Walmart groß und stark geworden ist.

Würde Trumps Truppe hohe Steuern oder Zölle (er redet immer von 45 Prozent) auf Produkte Made in China erheben, würden sich viele Waren in den Regalen von Walmart (und nebenbei auch von Gap, Best Buy und wie die großen US-Handelsketten alle heißen) drastisch verteuern. Den Preis hierfür zahlen müssten vor allem die mittleren und unteren Schichten, für die sich Trump - zumindest verbal - so stark macht. Spätestens dann würden seine Wähler merken, dass Trumps Versprechen so leer wie ihre Portemonnaies sind.

Im verschlafenen Städtchen Bentonville, dem Sitz des Walmart-Konzerns, sieht man jetzt schon die Gefahr. Weil es gerade unter Konzernchefs mainstream ist, sich bei Trump einzuschmeicheln, hat deshalb das Walmart-Management kurz vor Trumps Amtseinführung für dieses Jahr 10.000 neue Jobs in den USA versprochen.

Ob das Trump beeindrucken wird?

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