Donnerstag, 21. September 2017

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Künftiger US-Präsident Trump kann die Eiszeit überwinden

Donald Trump

Macht Donald Trump wahr, was er angekündigt hat, kann er die USA aus der Eiszeit führen - und den Euro in die finale Krise stürzen. Beides wäre letztlich gut.

Daniel Stelter

Viel wurde geschrieben und gejammert über den Wahlsieg von Donald Trump. Blickt man auf sein Wahlprogramm muss man nüchtern festhalten, dass es der bis jetzt beste Vorschlag ist, die ökonomische Eiszeit - säkulare Stagnation genannt - in der westlichen Welt zu überwinden. Das scheinen auch seine Anhänger zu hoffen, die schon vor der Wahl nüchtern auf seine anderen Wahlversprechen schauten, jedoch ihre wirtschaftliche Lage nicht mehr länger akzeptieren wollten.

Wie immer wieder an dieser Stelle erläutert, haben wir zwar seit 2009 eine neue globale Depression verhindert, in dem wir Geld noch billiger und noch mehr Schulden gemacht haben. Doch diese Medizin kann nicht heilen. Im Gegenteil sieht es überall schlechter aus als 2009: die Schulden sind höher, das Wachstum bleibt schwach und die Vermögenswerte lösen sich immer mehr von der realwirtschaftlichen Realität.

Auch in den USA, die verglichen mit uns in Europa noch deutlich besser dastehen, ist diese realwirtschaftliche Realität trübe. So ist die offizielle Arbeitslosenquote zwar sehr gering, die Erwerbsbeteiligung von Männern und Frauen im Alter zwischen 25 und 54 liegt allerdings auf den tiefsten Stand seit dem zweiten Weltkrieg. Und auf die kommt es letztlich an. Kein Wunder, dass das Medianeinkommen der US-Haushalte auf dem Niveau des Jahres 2000 liegt, während die Lebenshaltungskosten, gerade auch für Bildung und Gesundheit, explodiert sind. Zeitgleich stieg der Anteil der Top 1 Prozent an den Vor-Steuereinkommen auf einen Rekordstand von 18 Prozent und die Vermögenswerte gingen Dank der Rettungspolitik der Fed durch die Decke. Angesichts dieser Fakten sollte jeder verstehen, dass die Amerikaner einen Wechsel wollten. Eine neue Politik.

Eine neue Politik

Diese neue Politik scheint Trump in der Tat umzusetzen. Ein massives Investitionsprogramm in Infrastruktur im Volumen von einer Billion US-Dollar und Steuersenkungen dürften eine erhebliche Wirkung auf Beschäftigung, Löhne und damit auch Inflation in den USA haben. Ein solcher Konjunkturaufschwung würde mehr Leute in Arbeit bringen und zugleich die Schuldenlast der privaten Haushalte tragbarer machen. Kombiniert Trump dies mit einer Steuersenkung für die im Ausland gebunkerten Gewinne der US-Konzerne könnte er einen Teil des Programmes aus diesen Erlösen finanzieren, den Rest dürfte er trotz des Zinsanstiegs der letzten Wochen am Kapitalmarkt bekommen - im Zweifel von der Fed.

Damit setzt Trump genau die Politik um, die bisher von linken Nachfrageökonomen wie Paul Krugman und Larry Summers gefordert wird. Ein zunehmender Protektionismus ist übrigens logisch konsistent: Beginnen die US ein derartiges Programm der Konjunkturstimulierung würde dies zu einem erheblichen Anstieg der Nachfrage und damit des Handelsdefizites führen. Ein guter Teil des Programmes würde also nicht US-amerikanischen Firmen und Arbeitern nutzen, sondern deutschen und chinesischen. Aus diesem Blickwinkel sind Strafzölle ein Weg, die Wirkung der Stimulation mehr auf die USA zu fokussieren.

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