Montag, 11. Dezember 2017

Myanmar führt Mindestlohn ein Schluss mit billig? Textilfirmen streiten um 30 Cent pro Stunde

Textilarbeiterin in China: Nicht mehr ganz so billige Konkurrenz

Made in Myanmar - der exotische Aufdruck ist inzwischen alltäglich auf den Etiketten westlicher Bekleidungsketten. Die sich öffnende Militärdiktatur in Südostasien ist der nächste billige Lieferant von T-Shirts für den Weltmarkt. Doch seit diesem Dienstag könnte es mit diesem Modell schon wieder vorbei sein.

Ab September gilt in dem ehemaligen Burma ein Mindestlohn von 3600 Kyat für einen Achtstundentag. Umgerechnet sind das gut 2,47 Euro oder knapp 31 Cent pro Stunde - laut einem "Quartz"-Bericht viel zu viel aus Sicht der einheimischen Industrie.

Die rund 300 Textilfabrikanten des Landes warnen demnach einhellig vor einem Kollaps des gerade erst aufgebauten Milliardengeschäfts. Für manche ungelernte Arbeiter müsste sich die Bezahlung mehr als vervierfachen, mindestens 70.000 Jobs dürften sofort gestrichen werden.

Die Unternehmer hatten in jahrelangen Verhandlungen maximal 2500 Kyat angeboten, während laut Gewerkschaften mindestens 4000 Kyat zum Überleben nötig sind. Die Auseinandersetzung drehte sich fast nur um die Bekleidungsindustrie.

Dem Bericht zufolge droht die Schließung vor allem den Fabriken, die für Auftraggeber aus China und Südkorea fertigen - fragt sich nur, wohin die Aufträge stattdessen gehen sollen.

Unter den großen Textilexporteuren - mit Ausnahme Italiens, wo ohnehin eher hochwertige Stoffe produziert werden, sodass die hohen Lohnkosten kaum ins Gewicht fallen - ist Myanmar der letzte, der einen Mindestlohn einführt. Ein noch billigerer Standort ist mit der nötigen Infrastruktur legal kaum noch zu finden - die Tendenz geht eindeutig zu Mindeststandards.

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